Unilever: Am Anfang waren die Mammutaufgaben
 
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Am Anfang waren die Mammutaufgaben

Unilever/Photo Simonis

Der neue Unilever-Austria-Geschäftsführer Gerold Idinger möchte seine Marken weiter ausbauen und Kategorien, die einen Mehrwert bieten, etwa im veganen Bereich, vorantreiben, wie er in seinem Antrittsinterview erzählt. Das wird in Anbetracht der Rohstoffkostensituation nicht einfach. Der Kostendiskussion stellt er sich zwar, sagt aber auch, dass Preiserhöhungen unumgänglich sind.

CASH: Herr Idinger, im Zuge der Anfang dieses Jahres angekündigten internationalen Umstrukturierung von Unilever soll der Mitarbeiterstand im Konzern um rund ein Prozent reduziert werden. Wie wirkt sich das auf die Mitarbeiter in Österreich aus und wie weit sind Sie hierzulande in diesem Prozess?
Gerold Idinger: Wir sind in Österreich sehr erfolgreich und auch gut aufgestellt, somit ist Personalabbau hierzulande kein Thema. Was die internationale Umstrukturierung betrifft, sind wir gerade mittendrin und gehen davon aus, dass sie bis Jahresende abgeschlossen sein wird. Unilever hat sich weltweit dazu entschieden, das Geschäft noch stärker auf fünf großen Kategorien auszurichten: Eis, Nutrition, Personal Care, Home Care und Beauty & Wellbeing sind die tragenden Säulen unseres Geschäfts. Diese Kategorien werden in Kombination mit einem schlanken Corporate Center dafür sorgen, dass wir noch schneller an Konsumententrends dran sind und von der weltweiten Expertise von Unilever profitieren.

Was bedeutet das für Ihre Verkaufsorganisation?
Wir entsprechen diesem Modell bereits in unserem Set-up. Die Neuausrichtung lässt sich jedoch nicht 1:1 auf die vorherige Struktur übersetzen. Wir arbeiten hier bereits mit starken lokalen Kategorie-Teams, die gemeinsam mit unseren Kunden für Wachstum in ihren Kategorien sorgen. 

Die Konzern-Halbjahreszahlen waren durchaus positiv bei einem Umsatzwachstum von 8,1 Prozent. Wie sieht die Entwicklung am Standort Österreich aus?
Das Jahr 2022 ist in Summe ein herausforderndes und auch wenn unterm Strich ein Umsatzplus steht, ist die Kostensituation das bestimmende Thema. Es freut uns natürlich, dass wir unter diesen Rahmenbedingungen unsere Wettbewerbsfähigkeit sehr deutlich demonstrieren konnten. Unsere Umsätze steigen im Retail-Bereich in Österreich in allen Kategorien, allen voran im Eis-Bereich, der seit Pandemiebeginn nun auch wieder im Außer-Haus-Markt zulegen konnte. Aber, wie gesagt, dem gegenüber steht die aktuelle Kostenexplosion.

Welche Maßnahmen waren Ihrer Meinung nach ausschlaggebend für die bislang gute Performance – trotz Kostendruck?
Wir haben ein sehr breit aufgestelltes Portfolio, das viele unterschiedliche Konsumgewohnheiten und -anlässe abdeckt. Wir investieren zudem laufend in unsere Marken und entwickeln sie weiter, was auch die jeweiligen Kategorien vorantreibt und pusht. Wichtig dabei ist es uns auch, immer wieder neue Kategorien zu erschließen. In diesem Jahr ist uns das mit The Vegetarian Butcher sehr erfolgreich gelungen. Wir konnten auch das Wachstum im veganen Eismarkt mit unseren Powermarken unterstützen.

„Wir versuchen eine Balance zu finden zwischen ­wirtschaftlicher Notwendigkeit auf der einen Seite und dem notwendigen Investment in die hohe Qualität ­unserer Marken auf der anderen Seite.“
Gerold Idinger


Wie sieht die Situation auf den Beschaffungsmärkten aus Sicht von Unilever aus und schaffen Sie es, in Österreich lieferfähig zu bleiben?
Es ist unsere oberste Priorität sicherzustellen, dass bei all den Einschränkungen die Rohwaren auch in unseren Werken ankommen. Unsere europäische Supply Chain ist gut eingespielt und dadurch sehr robust. Wichtig ist dabei für uns, auch in dieser Situation keine Kompromisse bei der Qualität unserer Produkte einzugehen. Das ist uns vor allem auch bei unseren landwirtschaftlichen Rohwaren wichtig, die weiterhin vielfach aus nachhaltigem Anbau stammen. Speziell in Österreich haben wir einen sehr hohen Anteil lokaler Portfolios, unter anderem in den Bereichen Foods und Eis und natürlich steigen auch da die Kosten massiv für uns.

Die höheren Kosten möchte die Industrie teilweise an die Handelspartner weitergeben und stößt dabei auf viel Widerstand. Unilever ist unter den großen FMCG-Herstellern, denen aufgrund guter Quartals- und Halbjahreszahlen Profitgier vorgeworfen wird. Wie kann man sich dagegen argumentativ zur Wehr setzen?
Es ist für alle Beteiligten eine anspruchsvolle Situation, in der die Diskussion über Einkaufspreise sehr vieles überlagert. Wir stellen uns dieser Diskussion auch inhaltlich und legen dar, warum Preissteigerungen angesichts der derzeitigen Kostensituation unumgänglich sind, um wirtschaftlich zu bleiben. Da Sie nun konkret unsere Ergebnisse ansprechen – wenn man sie genau betrachtet, sieht man, dass bei all den Einsparungen, die wir treffen, die Kostensteigerungen nur zu einem Teil weitergegeben wurden.



Das Interview in voller Länge lesen Sie im PDF der CASH Oktober Ausgabe 2022. 

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