Vulcano Schinkenmanufaktur: Bettina Habel: "F...
 
Vulcano Schinkenmanufaktur

Bettina Habel: "Fleisch muss wieder etwas wert sein"

Sissi Furgler Fotografie, Vulcano

Die Vulcano Schinkenwelt im steirischen Feldbach begrüßt rund 35.000 Besucher im Jahr. Nach einer exklusiven Führung durch ihren Betrieb spricht die stellvertretende Geschäftsführerin Bettina Habel im CASH-Interview über die Entwicklung der Manufaktur, ihre Tiere und die Herausforderungen während der Coronapandemie.

CASH: Frau Habel, die Vulcano Schinkenmanufaktur gibt es jetzt schon seit 20 Jahren. Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Bettina Habel: Im Jahr 2000 waren wir vier landwirtschaftliche Familien, die gemeinsam Vulcano gegründet haben. Der Gründungsgedanke war, dem Produkt Schweinefleisch einen höheren Wert zu geben und daraus besondere Schmankerl zu produzieren. Speziell luftgetrockneter Schinken ist auch heute noch in Österreich ein nahezu unbesetztes Thema. Anfangs hatten wir keine Erfahrung mit dem Vorgang des Lufttrocknens. Um das Verfahren zu perfektionieren, haben wir viel getüftelt und auch Exkursionen nach Spanien und Italien, den Heimatländern des Prosciutto, unternommen. Im August 2003 wurden dann die ersten 100 Stück Schinken fertig. Für uns war das für damalige Verhältnisse eine große Stückzahl. Unseren ehemaligen Reiferaum gibt es noch heute. Es handelte sich um einen Spiegelreiferaum. Das heißt, es waren zwar nur wenige Produkte darin aufgehängt, dank des Spiegels sah es aber so aus, als wären es sehr viel mehr. Das hat etwas mit Visualisierung zu tun und dass es leichter ist, ein Ziel zu erreichen, wenn man es vor Augen hat. Unser Ziel war es also, wirklich einmal so viele Schinken zu produzieren. Heute sind wir ungefähr dort angekommen. Wir haben einen Output von rund 13.000 Stück Schinken, die knochengereift beziehungsweise luftgetrocknet sind. Auch die Besitzverhältnisse haben sich mittlerweile geändert. Im Jahr 2009 kam Christian Trierenberg als Investor und Geschäftsführer dazu. Durch ihn wurde es möglich, die Vulcano Schinkenwelt in der Art und Weise auszubauen, wie sie sich heute präsentiert und von rund 35.000 Besuchern im Jahr besichtigt wird. In den letzten zehn Jahren hat sich auch viel in Richtung Etablierung der Marke in der D-A-CH-Region getan. In Österreich und der Schweiz haben wir uns sehr gut positioniert. In Deutschland ist noch Luft nach oben. Heute steht Vulcano für sehr hohe Qualität, für Tierwohl und für luftgetrockneten Schinken aus Österreich.

Dass es Ihren Tieren gut geht, davon kann man sich ja mit eigenen Augen überzeugen. Was wird konkret dafür getan, dass sich die Schweine wohlfühlen? 
Einer der Gründungsgedanken von Vulcano war es, dass es den Tieren gut geht während sie bei uns sind. Daher haben wir früh angefangen, die Besatzdichte zu reduzieren. Statt den vorgeschriebenen 0,8 Quadratmeter haben unsere Schweine 1,6 Quadratmeter zur Verfügung. Wir arbeiten mittlerweile im gesamten Betrieb mit Großraumbuchten. Das heißt, es sind zwischen 80 und 200 Tiere in einer Gruppe und sie haben verschiedene Räumlichkeiten zur Verfügung, die sie mehrmals während des Tages durchgehen. Der Schlafbereich ist eher dunkel gehalten und verfügt über einen Lochplattboden. Der Fressbereich ist über Schleusen getrennt. Jedes Mal, wenn die Tiere fressen gehen, werden sie gewogen, somit haben wir die Tiergesundheit sehr gut unter Kontrolle. Dann gibt es noch die Außenanlage und diese unterteilt sich wieder in einen Bereich, wo Stroh und Tränken zur Verfügung stehen und einen Mistbereich.

Die Fleischindustrie hat derzeit nicht nur mit den Folgen des Coronavirus besonders stark zu kämpfen, auch die Entwertung des Fleisches ist immer wieder ein Thema. Wenn Sie diesbezüglich einen Wunsch frei hätten, wie würde dieser lauten?
Ich würde mir wünschen, dass Fleisch grundsätzlich einen höheren Wert bekommt. Landwirte, die in der Schweinezucht oder -mast arbeiten, werden oft als Tierfabriksbesitzer kritisiert. Wenn die Basispreise allerdings niedrig sind, kann man dem Tier einfach nicht mehr bieten und solange der Konsument das Gefühl hat, jeden Tag drei Mal Fleisch essen zu müssen, muss es leider auch in großen Mengen und zu günstigsten Preisen produziert werden. Solange sich am Verhalten nichts ändert, wird sich auch am Preis nichts ändern. Noch tragischer ist allerdings, dass Fleisch produziert wird, das dann im Müll landet.


Das Interview in voller Länge gibt's zum Nachlesen im E-Paper.

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