Confiserie Heindl: Walter Heindl im CASH-Inte...
 
Confiserie Heindl

Walter Heindl im CASH-Interview: Jetzt geht’s erst richtig los

Mit einer Neuorganisation des Teams und der erreichten Listung in Bayern stellt die Confiserie Heindl im 65. Jahr ihres Bestehens eindrucksvoll die Weichen für die Zukunft. Geschäftsführer Walter Heindl verrät u.a., was er von den Rabatten im LEH hält und wie er das Unternehmen weiterentwickeln will.

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CASH: Herr Heindl, seit 65 Jahren ist die Confiserie Heindl fixer Bestandteil der heimischen Süßwarenbranche und begeistert auch Kunden im Ausland. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Walter Heindl: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir heuer unseren 65. Geburtstag feiern. Wenn man so zurückblickt – ich habe mit 18 hier begonnen und bin schon seit 45 Jahren im Unternehmen –, dann haben wir wirklich viel erlebt, zahlreiche Branchenentwicklungen mitgemacht und Heindl zu einem der größten heimischen Süßwaren-Einzelhändler weiterentwickelt. Und trotzdem haben wir immer das Gefühl, erst am Anfang zu stehen, weil es noch so viel zu gestalten gibt.

Wie lange möchten Sie noch selbst gestalten? Denken Sie nach 45 Jahren im Unternehmen daran, irgendwann kürzer zu treten?
Wir haben unsere Familienangelegenheiten in einer Familienverfassung geregelt und darin ist festgehalten, dass ich mit 65 Jahren die Geschäftsführung zurücklegen werde. Danach werden mein Bruder Andreas und meine Tochter Barbara als seine Stellvertreterin das Unternehmen weiterführen. Ich werde aber sicherlich auch weiterhin im Betrieb anzutreffen sein und schauen, ob ich irgendwo unterstützen kann. Denn mit dem Antritt der Pension hört das Herz für das eigene Unternehmen ja nicht einfach auf zu schlagen. Und bevor Sie fragen: Um die Zukunft von Heindl mache ich mir überhaupt keine Sorgen, denn wir haben uns in diesem Jahr auch personell komplett neu aufgestellt und alle Positionen in Produktion und Vertrieb top besetzt, damit wir für die kommenden Herausforderungen bestens gerüstet sind.


Welche Veränderungen gab es denn konkret in Ihrem Team?
Wir freuen uns, dass wir mit Franz Kohl einen sehr erfahrenen Verkaufsleiter für die Betreuung des Lebensmittelhandels gewinnen konnten. Darüber hinaus haben wir einen achtköpfigen Außendienst aufgebaut und sind somit in allen Bundesländern nicht mehr über selbstständige Handelsvertreter, sondern mit unseren eigenen Leuten vor Ort. Und erstmals in der Unternehmensgeschichte gibt es auch zwei Mitarbeiter für die Betreuung unseres Geschäfts in Deutschland, wo wir unsere Aktivitäten deutlich verstärken möchten und auch schon erste Erfolge erreicht haben.

Welche sind das?
Unser Ziel ist es, in einem ersten Schritt in Bayern langfristig vertreten zu sein. Wir haben speziell für den österreichischen LEH und unsere Eigenfilialen mit starkem Tourismuszuspruch eine geschmacklich an das Original Wiener Nougat angelehnte Pralinen-Linie, bestehend aus mit Haselnuss-Nougat gefüllten Schokoladen-Talern, Schokoladen-Herzen und Schokoladen-Kugeln, entwickelt. Diese sind in wunderschön gestalteten, traditionellen Verpackungen in rot-weiß-roter Farbe erhältlich und werden am POS mit einem eigenen, aufmerksamkeitsstarken Metalldisplay präsentiert. Für Bayern bieten wir diese Linie mit adaptierten Produktbezeichnungen und blau-weißem Farbcode an. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Rewe Süd von unserem Konzept überzeugen konnten und bereits Listungszusagen für rund 50 Filialen haben. Jetzt hoffen wir, dass die Produkte auch bei den Verbrauchern gut ankommen und wir uns in Deutschland etablieren können.

Und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in Österreich?
Obwohl der Sommer sehr heiß war, sind wir ausgesprochen zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Man spürt, dass die Leute wieder mehr Geld ausgeben und auch der Tourismus hat sich extrem gut auf unser Geschäft ausgewirkt. Insgesamt konnten wir den Umsatz der Heindl Gruppe um 8,7 Prozent auf 25 Millionen Euro steigern, wovon 58 Prozent auf die Eigenfilialen und Franchisepartner, 36 Prozent auf den LEH und 6 Prozent auf den Export entfallen.

Im LEH tobt seit einigen Jahren ein Preiskampf, der in immer undurchsichtiger werdenden Rabattschlachten gipfelt. Wie beurteilen Sie diese Situation und die Zusammenarbeit mit dem Handel generell? Grundsätzlich läuft die Zusammenarbeit mit dem Handel wirklich sehr gut und wird sind mit der Distribution dort zufrieden. Das Einzige, was ich mir hin und wieder wünschen würde, wären kürzere Wege und schnellere Entscheidungen. Und was die von Ihnen angesprochenen Rabatte betrifft, frage ich mich, ob sich das auch wirklich immer rechnet, weil oft sehr viel Marge verloren geht. Meiner Meinung nach kann man auch mit durchdachten Platzierungen und optisch ansprechender Warenpräsentation Steigerungen erreichen und das Interesse der Kunden wecken.

Wie gut gelingt Ihnen das in Ihren Eigenfilialen?
Das gelingt uns sehr gut. Wir wollen uns nicht über den Preis definieren, sondern über Qualität und unsere hochwertigen Produkte, die mittels ansprechendem Ladendesign gut präsentiert werden. Ich bin nicht stolz, wenn ich der Billigste bin. Das entspricht nicht unserer Philosophie.

Kooperieren Sie eigentlich auch mit dem Diskont?
Ja, wir sind bei Hofer, Lidl und Norma mit der Marke Pischinger vertreten, die übrigens kommendes Jahr ihren 170. Geburtstag feiert. Auch hier haben wir eine neue Produktlinie mit neuen Geschmacksrichtungen wie zum Beispiel Caramel oder Melange für den Convenience-Bereich entwickelt und bieten die beliebten Waffeln auch in Beuteln zu 100 bzw. 120 Gramm an. Damit wollen wir u.a. Tankstellen ansprechen und streben eine Platzierung in der Kassenzone an.

Ich würde gerne noch einmal zu Ihren eigenen Filialen zurückkommen. Sie betreiben derzeit 31 Standorte. Wollen Sie noch weiter expandieren?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben heuer den Shop in der SCS neu gestaltet und mit großer Freude eine Filiale in den CityArkaden in Klagenfurt eröffnet, die sich im Übrigen sehr gut entwickelt. Außerdem sind wir seit Kurzem im Shoppingcenter Huma Eleven vertreten. Um unsere Bekanntheit auch in den Bundesländern zu steigern, können wir uns weitere Standorte im Raum Salzburg, Innsbruck, Kufstein und Zell am See vorstellen. Dafür suchen wir Franchisepartner, die mit Herz bei der Sache sind und uns auf unserem Weg begleiten möchten.

Herr Heindl, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Heindl Gruppe – Facts

Geschäftsführer: Andreas Heindl und Walter Heindl
Umsatz Heindl-Gruppe: rd. 25 Mio. Euro, GH +9 %, Filialen +1 %, Export +29 % Umsätze anteilig: Eigenfilialen rd. 58 %, LEH rd. 36 %, Export rd. 6 % Mitarbeiter: 250
Filialen Heindl-Gruppe in Ö: rd. 31 (Wien, SCS/Vösendorf, Baden/Wien, Leobersdorf, Wr. Neustadt, Gerasdorf, Parndorf, Graz (3x), Linz/Pasching, Klagenfurt)
Betriebsfläche/Zentrale: 12.000 m2
Produktpalette: rund 180 verschiedene Konfekt­sorten (inkl. Saisonware)
Quelle: Unternehmensangaben, Geschäftsjahr 2017/2018



Meilensteine Confiserie Heindl

1953: Gründung durch Konditormeister Walter Heindl senior und seine Frau Maria im 5. Wiener Gemeindebezirk
1967: Verlegung des Firmensitzes nach Wien 23
1973: Eröffnung der ersten Eigenfiliale in Wien 12
1987: Die Söhne Walter und Andreas übernehmen den elterlichen Betrieb. Ausbau der Produktpalette auf aktuell über 180 verschiedene Produkte, Vervielfachung des Umsatzes und Ausbau des Filialnetzes
1988: Erfindung der Schokomaroni
2001: Ausbau des Firmensitzes in Wien 23 auf insgesamt 4.000 m2, Eröffnung des 1. Wiener SchokoMuseum
2003: Übernahme der Grazer Nowi-Süßwaren-Shops
2006: Übernahme des Waffel-Spezialisten Pischinger sowie der beiden dazugehörigen United Chocolate-Shops.
2012: Fertigstellung des Aus- und Umbaus der Heindl-Zentrale mit einem Investitionsaufwand von rund 10 Millionen Euro sowie Übersiedlung der Pischinger-Produktion in die Heindl-Zentrale, die auf insgesamt 12.000 m² erweitert wurde.
2014: Heindl wurde der erste österreichische Partner des neu ins Leben gerufenen Fairtrade-Kakaoprogramms.

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