Woerle: Feuertaufe
 
Woerle/Neumayr

Die Coronakrise, ein Brand, Rohstoffkostenexplosionen und dazwischen die Fertigstellung einer neuen Käserei – das waren nur die größten der vielen Herausforderungen von Gerrit Woerle. Im Interview zieht der junge Geschäftsführer Bilanz über turbulente 1,5 Jahre an der Spitze der Familienkäserei, die er in fünfter Generation leitet.

CASH: Herr Woerle, was macht die neue Käserei so besonders, sodass sie als ein wichtiger Meilenstein in der Firmengeschichte angesehen wird?
Gerrit Woerle: Mit der Inbetriebnahme der neuen Käserei und dem Reifekeller ist der zweite Teil unseres Generationenprojektes fertiggestellt worden. Das ist für uns ein Meilenstein in der Firmengeschichte, da wir uns damit zukunftsfit aufgestellt haben. Aus unseren bestehenden Kapazitäten haben wir in den letzten Jahren alles rausgeholt, was möglich war. Nun können wir noch mehr Käseinnovationen in hoher Qualität produzieren und auf viel effizientere Abläufe in der Produktion aufbauen. Auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern können in der Endausbaustufe 10.000 Tonnen Käse im Jahr erzeugt werden, das ist doppelt so viel wie bisher. Der dritte und für uns sehr wichtiger Punkt ist Nachhaltigkeit. Die neue Käserei ist so ökologisch wie möglich konzipiert und technisch auf dem neuesten Stand.

Den Bau hat noch Ihr Vater Gerhard Woerle initiiert. Inwieweit ist er noch im Tagesgeschäft involviert?
Genau, mein Vater und ich haben das Projekt vor viereinhalb Jahren gemeinsam begonnen und ich durfte es vollenden. Wir hatten von Anfang an die Idee, das Wissen und die Vision von Alt und Jung in dieses Bauprojekt einfließen zu lassen, um das Bestmögliche herauszuholen. Mein Vater steht uns noch beratend in diesen herausfordernden Zeiten zur Verfügung.

Am Firmensitz in Henndorf am Wallersee können dank neuer Naturkäserei auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern 10.000 Tonnen Käse im Jahr erzeugt werden – doppelt so viel wie bisher.

Sie haben in der kurzen Zeit als Geschäftsführer schon zahlreiche Herausforderungen erlebt, inwieweit sorgt die derzeitige Marktsituation zusätzlich für Verunsicherung?
Für jemanden, der das Unternehmen erst vor 1,5 Jahren übernommen hat, ist schon sehr viel auf mich eingeprasselt. Zuerst kam Corona und niemand wusste so richtig, wie man damit umgehen soll, dann hatten wir im Mai letzten Jahres einen Brand bei uns im Hochregallager. Dazwischen haben wir unsere Käserei weitergebaut, was auch schon ohne diese ganzen Krisen eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Und schließlich kam noch der Krieg in der Ukraine hinzu, der seither für viel Verunsicherung auf den Märkten sorgt. Das alles macht deutlich, in welchen turbulenten Zeiten wir leben. Darum glaube ich, dass es umso wichtiger ist, dass man nachhaltig denkt, ein gutes Team und gute Produkte hat. Ebenso wichtig ist es aber auch Partner zu haben, die die Situation und die Kostensteigerungen, die wir und unsere Landwirte haben, auch verstehen. Natürlich verunsichern diese Krisen. Sie bieten aber auch eine neue Chance, Lebensmittel mehr wertzuschätzen. Wir müssen mit Lebensmitteln behutsamer umgehen, es kann nicht sein, dass mehr als ein Drittel im Müll landet und wir müssen schauen, dass die ökonomische Säule für die Landwirtschaft auch zukünftig gesichert ist.

Sie haben damit vier wichtige Aspekte angesprochen, die das vergangene Jahr geprägt haben. Starten wir mit dem chronologisch ersten. Wie ist Woerle bislang durch die Coronakrise gerudert?
Wir haben die Krise bislang gut gemeistert, nicht zuletzt, da wir mit unseren Produkten hauptsächlich im LEH vertreten sind, wo gerade zu Beginn der Pandemie eine enorme ­Nachfrage war. Mit vereinten Kräften konnten wir eine Versorgungssicherheit gewährleisten. Unser Team hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Dabei ist uns die Arbeitszeit­flexibilisierung sehr entgegengekommen. Es war immer schon mein Anliegen, dass wir die Arbeitsweise flexibler gestalten, mit dem Ausbruch der Pandemie mussten wir das auch tun und insofern war diese Krise eine lehrreiche Chance für uns.

Das Interview in voller Länge finden Sie im E-Paper der Cash Juni-Ausgabe

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