Müller Milch : Müller Milch holt Lindt-Manage...
 
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Müller Milch holt Lindt-Manager Sommer

Lindt&Sprüngli
Uwe Sommer wechselt nicht in den Ruhestand, sondern ins beschauliche Städtchen Aretsried zu Müller Milch. © Lindt&Sprüngli
Uwe Sommer wechselt nicht in den Ruhestand, sondern ins beschauliche Städtchen Aretsried zu Müller Milch. © Lindt&Sprüngli

Der Molkereikonzern Müller ernennt den Lindt-Manager Uwe Sommer zum neuen CEO. Der bisherige Chef Ronald Kers leitet künftig die Geschäfte in Großbritannien.

Eigentlich wollte Uwe Sommer, der seit 23 Jahren Geschäftsführer bei Lindt & Sprüngli war, im April in den Ruhestand gehen. Das kündigte sowohl Lindt & Sprüngli und auch Sommer selbst im Interview kürzlich gegenüber der Schweizer Presse an. Er solle sogar schon die Villa am Zürichsee zum Verkauf gestellt haben, um in die Stadt zu ziehen, heißt es.

Doch nun sucht der 63-Jährige Sommer die Herausforderung bei der Unternehmensgruppe Theo Müller im bayrischen Aretsried. Mit über 2 Mrd. Kilogramm Rohmilch ist das Unternehmen Deutschlands drittgrößter Milchverarbeiter und zugleich größte Molkerei in Privathand. Firmenpatriarch Theo Müller hat den Konzern aufgebaut und machte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Personalrochaden und spektakulären Managementwechseln auf sich aufmerksam. Zuletzt sollte der 2015 ernannte CEO Ronald Kers die Geschicke des Milliardenunternehmens lenken. Wie nun bekannt wurde, bleibt Kers dem Konzern zwar treu und kehrt als Geschäftsführer von Muller UK & Ireland nach England zurück.

Dem Vernehmen nach hatte Müller den Manager Uwe Sommer schon seit Jahren im Visier. Sommer ist eng mit dem fulminanten Aufstieg von Lindt verbunden. Lindt & Sprüngli wächst seit Jahren stärker als der Markt und verbucht Rekorde bei Umsatz und Ertrag. Sommer habe wesentlich zum Erfolg der Premiumstrategie und der Expansion des Schweizer Schokoladenkonzerns beigetragen, heißt es unisono aus der Schweiz. Er hat Lindt unter anderem in die USA gebracht und dort zum Marktführer im Premiumsegment aufgebaut.

Als eingefleischter Markenartikler könnte der Manager auch Schwung in die Marke Müller bringen und die bisher auf Großbritannien beschränkte Auslandsexpansion des  Konzerns voranbringen, so die Hoffnung in Aretsried. Der Sprung nach Übersee als auch nach Italien scheiterte bislang. Die Kriegskassen dafür sind reichlich gefüllt: Allein in den nächsten drei Jahren würden 1,3 Mrd. Euro investiert. 2020 soll die Unternehmensgruppe Theo Müller (UTM), so das einst von Kers proklamierte Ziel, sodann 10 Mrd. Euro Jahresumsatz erreichen.

Sommer trat 1993 als Mitglied der Geschäftsleitung, verantwortlich für Marketing / Verkauf und Auslandmärkte, in die Lindt & Sprüngli Gruppe ein. Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er davor bei Procter & Gamble, Mars Deutschland und England sowie als CEO bei Johnson & Johnson in Österreich.

In den vergangenen zehn Jahren waren bei UTM ein halbes Dutzend Manager tätig, ohne den Unternehmenspatriarchen Theo Müller nachhaltig zufriedenstellen zu können. Einer nach dem anderen verließ das Unternehmen nach nur kurzer Zeit. Müller hat sich zwar offiziell zurückgezogen, zieht aber, so informierte Kreise, noch immer die Fäden im Hintergrund. Auch der CEO Kers hatte in jüngster Zeit immer wieder Differenzen mit Theo Müller. Zuletzt wurde Kers sogar die Zuständigkeit für die UTM-Töchter Homann und Nordsee entzogen. 

Manager Sommer soll es nun richten und bekommt von dem ebenfalls in der Schweiz lebenden Müller vollstes Vertrauen ausgesprochen. Mitte des Jahres treten auch der neue Produktionschef Werner Stegmüller (Ex-KSB-Chef) und der ehemalige Altana-Manager Frank Richter als CFO ihre Posten an. (http://www.cash.at/archiv/theo-mueller-besetzt-vorstandsposten-neu/ )Zugleich gewinnt der 77-Jährige Müller durch die Personalie Zeit, um seine Nachfolgeregelung zu überdenken. Jüngst hatte der bisherige Alleininhaber jeweils 1 Prozent der Anteile an vier seiner neun Kinder übertragen. Die einst mal als Nachfolger gedachten Söhne Stefan und Theo jr. gingen dabei allerdings leer aus. 
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