CASH Packshot inkl. Erratum: Verpackungskonfe...
 
CASH Packshot inkl. Erratum

Verpackungskonferenz der Tiere

Markus Wache
Ulla Hruschka, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut nimmt Purina im Beutel und Pedigree in der Dose unter die Nachhaltigkeitslupe.
Ulla Hruschka, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut nimmt Purina im Beutel und Pedigree in der Dose unter die Nachhaltigkeitslupe.

Mit den vielen Höhen und Tiefen, ­Zuspitzungen und Wendungen ist das Verpackungsduell der Tierfuttermarken weniger mit Katzenmusik als vielmehr mit einem ganzen Roman der Belletristik zu vergleichen. Während Purina ­jedoch beim Recycling-Part nicht zu Wort kommt, ist der Auftritt von Pedi­gree bei Materialeffizienz und Ressourcenverbrauch eher klein.

Das Institut für Verpackungs- und Ressourcenmanagement der FH Campus Wien hat für CASH diesmal Tierfutter unter die Nachhaltigkeitslupe genommen. Purina und Pedigree verfolgen dabei zwei ganz unterschiedliche Verpackungsansätze. So ist das Nassfutter für Hunde von Pedigree in einer Weißblechdose erhältlich, wohingegen das Trockenfutter für Katzen von Purina in einem Kunststoffbeutel verpackt ist. Jede Variante hat seine Vor-, aber auch Nachteile.

Recycling

Der Beutel von Purina ist komplex aufgebaut. Er besteht aus mehreren Kunststoffschichten (PE/PET) und einem Aufreißfaden – ebenfalls aus Kunststoff. Darüber hinaus ist die Verpackung zusätzlich metallisiert, weshalb sie dem Metallstrom zugeordnet wird. Die dünne Metallschicht kann aber nicht mehr effizient recycelt werden und auch die Kombination mit PE und PET schließt einen erfolgreichen Recyclingprozess aus. Deshalb beträgt die technische Recyclingfähigkeit null Prozent.

Die Weißblechdose mit Weißblechdeckel gelangt mittels Magnetabscheider ebenfalls in den Metallstrom, kann dort allerdings anders als der Duellgegner recycelt werden. Nur das Papieretikett passt nicht hinein, jedoch dürfte es den Prozess nicht stören. Unterm Strich wird Pedigree von den Expertinnen insgesamt eine Recyclingfähigkeit von 96,99 Prozent attestiert.

Einsatz von Recyclingmaterial

Ob bei der Herstellung der Verpackungen Recyclingmaterial eingesetzt wurde, konnte nicht endgültig geklärt werden, da dazu keine Angaben gemacht wurden. Allerdings erzielt Weißblech eine hohe Recyclingquote, zudem ist das Rezyklat für den lebensmittelnahen Kontakt zugelassen, weshalb die Expertinnen davon ausgehen, dass bei der Dose von Pedigree Recyclingmaterial eingesetzt wurde.

Erratum
In der CASH Print-Ausgabe 07-08/2022, in welcher der Packshot erschienen ist, hat sich an einigen Stellen eine Markenverwechslung eingeschlichen. Richtig ist, dass das Nassfutter für Hunde in der Weißblechdose von Pedigree stammt, das Trockenfutter für Katzen im Beutel von Purina.

Produktschutz

Bezüglich des Produktschutzes erfüllen die beiden Verpackungen unterschiedliche Aufgaben. Denn während das Trockenfutter von Purina vor Feuchtigkeit geschützt werden muss, darf es beim Nassfutter zu keinem Feuchtigkeitsverlust kommen. Die Weißblechdose von Pedigree bietet dafür eine absolute Barriere und bewahrt das Produkt "ausgezeichnet vor Sauerstoff sowie Aroma- und Feuchtigkeitsverlust", so Ulla ­Hruschka, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut.

Komplexer wird es bei Purina. Durch die Metall-Kunststoff-Kombination ist auch hier ein guter Produktschutz geboten. Die LDPE-Folie weist eine geringe Wasserdampfdurchlässigkeit auf, schützt jedoch nur wenig vor Sauerstoff und Aromaverlust, weshalb eine zusätzliche Barriere aus PET eingesetzt werden musste. PET weist einen mittleren Schutz gegen Gasaustausch auf, schützt das Füllgut aber ausreichend gegen Wasserdampf und bietet eine akzeptable Fett- und Aromadichtheit. Die Metallschicht verstärkt die Barrierewirkung gegenüber Sauerstoff und Wasserdampf. Außerdem liefert sie einen zusätzlichen Lichtschutz. Zusammengefasst ist der Produktschutz bei der Weißblechdose noch höher als bei dem Kunststoffbeutel, da hier keine absolute Barriere vorhanden ist. Dennoch muss man an dieser Stelle auch anmerken, dass das Nassfutter aufgrund der Beschaffenheit andere Anforderung als das Trockenfutter von Purina hat. Deshalb gibt es hier für beide die volle Punkteanzahl.

Materialeffizienz & Ressourcenverbrauch

Während Purina dem Verpackungs-Nachhaltigkeitskonkurrenten Pedigree beim Thema Recycling nichts vormachen konnte, dreht sich bei Materialeffizienz und Ressourcenverbrauch der Spieß um. Denn die Weißblechdose für Hundefutter ist circa sechsmal schwerer als der Kunststoffbeutel für das Katzenfutter. Purina schneidet den Berechnungen zufolge darüber hinaus in allen Wirkungskategorien deutlich besser ab als die Verpackung von Pedigree, da die Produktion der Weißblechdose energieintensiv ist. Dennoch muss man dazu sagen, dass die Rohstoffgewinnung ­beziehungsweise der Einsatz von Rohstoffen für die Verpackungen die Lebensphase ist, die mit den höchsten Umweltauswirkungen verbunden ist.

Littering & Kompostierbarkeit

Kompostierbar sind beide Verpackungen ganz offensichtlich nicht. Auch das Littering-Potenzial ist grundsätzlich gering, da es sich bei Großverpackungen für Tiernahrungsprodukte nicht um typische "On the go"-Produkte handelt. Aufgrund des Aufreißfadens bekommt die Verpackung von Purina in dieser Kategorie jedoch einen Punkt abgezogen.
Kommentar Manfred Tacker
Im aktuellen Vergleich stehen sich zwei Verpackungen gegenüber, die sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Pedigree setzt in dieser Ausführung für Nassfutter auf eine Weißblechdose, während bei Purina das Trockenfutter in einem Kunststoffbeutel verpackt ist. Der Einsatz von Kunststofffolien führt zur deutlichen Einsparung von Material und der Reduktion des Ressourcenverbrauchs. Durch die Verwendung von mehreren Barriereschichten und einer Metallisierung kann der Produktschutz gesteigert werden, dies führt jedoch zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Recyclingfähigkeit. Bei der Kategorie Recyclingfähigkeit schneidet die Weißblechdose erheblich besser ab, diese kann fast vollständig recycelt werden und bietet aufgrund der absoluten Barriere einen optimalen Produktschutz.



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