CASH+/Steuersenkung auf Monatshygiene (Update...
 
CASH+/Steuersenkung auf Monatshygiene (Update 16.12)

Mehr als nur eine Tamponsteuer

The Female Company

Der Nationalrat hat die Steuersenkung auf Menstruationsprodukte mit Jänner 2021 beschlossen. CASH hat sich bei Industrie und Handel umgehört, wie dieser Vorstoß ankommt und sich auswirken wird.

"Menstruation ist kein Luxus" - das ist die Kernaussage mit der vergangenen Donnerstag die Steuersenkung von Menstruationsprodukte ab Jänner 2021 im Nationalrat beschlossen wurde (CASH hat berichtet). Gleichzeitig appellierte Frauenministerin Susanne Raab an Hersteller und Handel, die Steuersenkung 1:1 an die Konsumentinnen weiterzugeben und die Produkte nicht teurer werden zu lassen. Die Sorge scheint unberechtigt. Im Gegenteil. Der Vorstoß wird durchwegs positiv auf- und angenommen, schließlich hat er auch eine gesellschaftspolitische Relevanz. Preiserhöhungen sollen nach aktuellem Stand ausbleiben.

Industrie begrüßt Steuersenkung

"Wir begrüßen die Steuersenkung auf Menstruationsprodukte von 20 Prozent auf 10 Prozent. Grundsätzlich sprechen wir als Hersteller eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) aus, die letztendliche Gestaltung der Regalpreise liegt im Ermessen des Handels. Unsere UVP auf Menstruationsprodukte werden wir entsprechend der Steuersenkung reduzieren und empfehlen unseren Handelspartnern die Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Kunden", so das Statement von Johnson & Johnson, die mit Carefree und o.b. zwei der stärksten Marken der Kategorie im Segment führen. 

Ähnliches lässt auch Procter & Gamble ausrichten, die mit Always ebenfalls ein erfolgreiches Produkt im Bereich der Periodenprodukte führen. "P&G setzt sich weltweit für die Gleichstellung der Geschlechter ein. Wir begrüßen alle Bestrebungen, den Zugang zu Damen-Hygieneprodukte für mehr Frauen und Mädchen zu erleichtern. Ganz allgemein gehen wir davon aus, dass bei der Anwendung eines ermäßigten Steuersatzes die Steuersenkung auch an die Verbraucherinnen weitergegeben wird. Allerdings liegt der Endverbraucherpreis stets im alleinigen Ermessen des Handels", legt Sandra Ohl, Pressesprecherin Always dar.


Noch deutlichere Worte, vor allem auch in Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung, findet Meine Wollke-Geschäftsführerin Sabine Fallmann-Hauser: "Ich sehe die Umsatzsteuersenkung als positives Zeichen, da sie Frauen finanziell entlastet - Stichwort Gehaltsschere. In Zeiten wie diesen erscheint es mir dennoch wichtig die Sicherung von Arbeitskräften und den Klimaschutz auch weiterhin im Auge zu behalten." Für die Produkte ihres Unternehmens ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. "Wir sind jedoch noch abwartend, da noch kein Stichtag genannt wurde und wir nicht wissen, ob wiederverwendbare Produkte auch in der Maßnahme enthalten sind. Es wird auf den Handel ankommen, wie die Umsatzsteuerreduktion an die Konsumentinnen weitergegeben wird. In unserem Meine Wollke Webshop werden wir die Preise gegebenenfalls anpassen", erklärt sie.

Ein gesellschaftpolitischer Diskurs

Das deutsche Unternehmen The Female Company setzt sich seit seiner Gründung 2018 für die Enttabuisierung von Menstruationsprodukte ein und kämpfte für die Steuersenkung - auch mit ungewöhnlichen Mitteln. Um die Tamponsteuer für ihre Kundinnen zu umgehen, haben sie Tampon Book ins Leben gerufen, ein Buch, das mit Tampons gefüllt war. Denn Bücher werden in Deutschland mit sieben Prozent besteuert - übrigens genauso wie Kaviar, Schnittblumen oder Ölgemälde. "Mit dem Tampon Book haben wir gezeigt, dass Unternehmen bereit sind, den Steuersatz ohne Abzüge für die Kundin zu senken", so Co-Gründerin Ann-Sophie Claus. Als in Deutschland dann die Mehrwertsteuer gesenkt wurde, war der Jubel groß. Dabei gehe es um viel mehr als nur um Geld. "Es geht um Gleichberechtigung. Deshalb war es für uns klar, dass wir mit der Steuersenkung auch unsere Preise im Onlineshop für unsere österreichischen Kundinnen anpassen würden. Somit haben wir die deutsche Steuersenkung auch an alle Österreicherinnen weitergegeben. Auch, wenn wir in Österreich 20 Prozent Mehrwertsteuer abgeben müssen", betont Claus, freut sich nun aber umso mehr, dass nun auch in Österreich eine Reduktion vorgenommen wurde. "Umso großartiger ist es jetzt, dass die Tamponsteuer nun ab 01. Januar 2021 in Österreich von 20 Prozent auf 10 Prozent gesenkt wird! Wir freuen uns sehr über diese wichtige und notwendige Entscheidung, denn: die Periode ist kein Luxus. Aber genauso wenig sollte sie ein Tabu sein." Deshalb begegnet man bei The Female Company dem Thema mit viel Humor und mit noch mehr roter Farbe. Der Weg ist aber noch nicht zu Ende. "Frauen haben ihre Periode und das ist der natürlichste und magischste Vorgang überhaupt. Auf weitere Aktionen wie das Tampon Book oder One Girl One Cup wird man bei uns sicher nicht lange warten müssen. Es bleibt also weiterhin spannend mit uns!", kündigt Claus an.
„Bei der Tamponsteuer geht es aber noch um viel mehr – es geht um Gleichberechtigung.“
Ann-Sophie Claus

Auch für Rauscher-Geschäftsführer Erich Dosek ist es gesellschaftspolitisch gesehen der richtige Weg. "Man ist als Frau gezwungen, Monatshygiene zu verwenden - und da den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen zu müssen, ist schon eher kritisch zu sehen. Ich finde es gut, dass die Frauen jetzt diesbezüglich eine Erleichterung haben", zeigt er sich solidarisch. "Es hat lange genug gedauert. Es war ja auch im Regierungsprogramm verankert. Wir haben dann immer wieder bei verschiedenen Ministerien nachgefragt, vom Bundeskanzleramt bis hin zum Finanzministerium, wie denn der Stand der Dinge ist. Da wurden wir erst immer wieder vertröstet, aber mittlerweile ist es durchgesetzt und das ist gut so." Für Rauscher selbst hat die Steuerreform weder positive noch negative Auswirkungen. Wie es umgesetzt wird, liebe beim Handel. "Ich gehe aber davon aus, dass der Handel die Reduktion weitergeben wird", sagt er.

Preis wird selbstverständlich angepasst und mehr (Update 16.12)

Aus dem Handel gibt es von Seiten der Spar schon erste positive Reaktionen und das versprechen, die Reduktion an die Konsumenten weiterzugeben. "Wir begrüßen diesen Schritt, die Steuern auf Monatshygieneprodukte zu reduzieren und wir werden die Steuersenkung selbstverständlich an die Kundinnen weitergeben. Die Umsetzung ist mit Jahresbeginn 2021 geplant", meint Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann dazu. Ganz klar positioniert sich auch die Rewe International. "Es wird selbstverständlich keine Preisanpassungen geben, die Mehrwertsteuersenkung auf Monatshygieneprodukte wird unseren KundInnen somit unverändert weitergegeben", heißt es in einem Statement.

dm Geschäftsführer Harald Bauer kündigt zudem an, die Senkung nicht nur direkt an die Kundinnen weiterzugeben, sondern mit dem Inkrafttreten die Preise in den Filialen sowie im Online Shop dm.at zusätzlich auf die nächstniedrigere 5 Cent-Stelle abzurunden. Das betrifft rund 150 Menstruationsartikel im Sortiment.
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