CASH+/Coronavirus: Corona und die Milchindust...
 
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Corona und die Milchindustrie

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Wie gehen die Molkereien mit den Herausforderungen um, die die Corona-Krise mit sich bringt?

CASH hat sich bei den österreichischen Molkereien umgehört, mit welchen Herausforderungen sie aktuell in der Logistik konfrontiert sind, wie sich das Auslandsgeschäft entwickelt und wie es um die Verfügbarkeit der Waren steht. Neben dem Wegfall des Food Service-Bereichs, setzen den Molkereien im Export vor allem steigenden Frachtkosten und geringere Verfügbarkeiten von Containern zu. Aus diesem Grund sowie durch längere Grenzkontrollen, verzögert sich die Lieferung in die Exportländer. Nach einem Einbruch im vom Coronavirus schwer gebeutelten italienischen Markt, berichten die befragten Unternehmen aber von einer weiterhin hohen Nachfrage aus Fernost, allen voran China. Wie die Vertreten der führenden österreichischen Molkereien mit der aktuellen Situation im Detail umgehen, lesen Sie in den nachfolgenden Statements.

Josef Braunshofer, Geschäftsführer Berglandmilch
Josef Braunshofer
Berglandmilch
Die Herausforderungen im Exportbereich sind mit jenen für unsere heimischen Kunden ident. Absatzkanäle ändern sich von einen Tag auf den anderen in einer Dramatik, die wir so noch nicht kannten. Bei manchen Produkten verdreifachte sich innerhalb von Tagen die Nachfrage, der Bedarf anderer Produkte brach gleich schnell ebenso stark ein. Dies fordert Abteilungen wie Verpackungsmaterialdispo, Produktionsplanung, Produktion, Logistik und Verkauf enorm. 
Der Horeca-Absatz ist auch für Exportkunden allgemein sehr stark zurückgegangen. Demgegenüber gab es im LEH auch im Ausland in den letzten Wochen überdurchschnittliche Absätze, speziell im Bereich haltbare Milchprodukte. Unsere Export-Käseabsätze sind in Summe bisher konstant. Steigend entwickeln sich hier die Absätze bei jenen Kunden, die Convenience-Produkte – gekühlt oder tiefgekühlt – für den LEH anbieten. Unsere Gesamtexporte nach Fernost scheinen sich im April im Gegensatz zu den Vormonaten wieder zu erhöhen."

Andreas Gasteiger, Geschäftsführer SalzburgMilch
Gasteiger
wildbild SalzburgMilch
„Nach dem Hype in Österreich ist nun die Nachfrage im Export sehr groß, vor allem in Deutschland und hier besonders im Bereich Bio-Trinkmilch und Spezial-Käse. Wir erwarten aber eine deutliche Abschwächung noch vor Ostern. Bei anderen Exportmärkte wie zum Beispiel in Asien gibt es logistische Herausforderungen, weil die Containerverfügbarkeit stark eingeschränkt ist. Es ist zu hoffen, dass sich der Warenverkehr nach Fernost wieder normalisiert. Kopfzerbrechen macht uns Italien, da der Markt durch die Krise komplett eingebrochen ist. Inwieweit es Veränderungen am Weltmarkt geben wird, kann man heute noch nicht seriös prognostizieren.“
Peter Salzinger, Verkaufsleiter NÖM

„Die NÖM AG hat im Export einen klaren Fokus auf veredelte Produkte mit einem Länderschwerpunkt in Italien, Deutschland, Polen, Skandinavien, Ungarn und in den Benelux Ländern. In diesen Kernmärkten konnten wir im März bei unseren Kunden im Handel eine erhöhte Nachfrage nach Basisprodukten wie Milch aber auch nach Milchmischgetränken feststellen. Das hilft, wenn auf der anderen Seite Marktsegmente wie Großküchen aufgrund von behördlichen Sperren einbrechen. Wir haben das Thema von Anfang an sehr ernst genommen und umfangreiche Vorkehrungen in der Produktion und in der Logistik getroffen, damit unsere Maschinen laufen und wir unsere Artikel wie gewohnt zu unseren Kunden bringen. Wir vermeiden persönliche Kontakte, halten Abstand und wir arbeiten wenn möglich im Home Office."

Daniel Marte, Vorstandsmitglied Rupp
Rupp Vorstand
Rupp
„In unserem Export-Geschäft unterscheiden wir die Bereiche des EU-Binnenmarktes sowie Märkte außerhalb der Europäischen Union.

Innerhalb der EU gibt es einen deutlichen Anstieg im Retail. Die Nachfrage nach Lebensmitteln, die wie unsere Schmelzkäseprodukte eine längere Haltbarkeitsdauer haben, ist seit Ausbruch der Krise gestiegen. Hinzu kommt, dass unsere Produktion im Zentrum von Europa liegt - in Österreich und Süddeutschland. Daher können wir, trotz aufkommender Schwierigkeiten in den Lieferketten, die Kunden innerhalb der EU weiterhin gut bedienen. Außerhalb des europäischen Absatzmarktes spüren wir eine deutliche Verunsicherung bei unseren Kunden, auch jenen im Einzelhandelsgeschäft. Ähnlich wie in unserem Heimatmarkt Österreich ist es auch in vielen anderen Märkten zu sogenannten Hamsterkäufen gekommen. Um die gestiegene Nachfrage international zu befriedigen, benötigen wir aufgrund der längeren und erschwerten Lieferketten allerdings mehr Zeit als regulär. Positiv stimmt uns, dass die Nachfrage nach unseren Retail-Produkten im Fernen Osten, insbesondere auch China, weiterhin konstant stark ist. Was aber sowohl in der EU, als auch in den internationalen Absatzmärken deutlich zurück gegangen ist, ist die Nachfrage nach Food Service Produkten. Unsere Produktion läuft auch in dieser bisher nie da gewesenen Situation täglich weiter um zur Lebensmittelversorgung beizutragen. Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft und Kunden hat bei uns natürlich oberste Priorität. Daher sind Produktionsleitung, Qualitätsmanagement, HR und Geschäftsführung in einem permanenten, sehr engen Austausch. Zusätzlich kommen bei uns noch logistische Herausforderungen wie verstärkte Grenzkontrollen innerhalb der EU, ein Mangel an Versandcontainern und ein starker Anstieg der Frachtkosten und Preise hinzu, die wir aber nicht an den Kunden weitergeben. Generell ist die Zeit momentan für alle, nicht nur für die Lebensmittelindustrie, ungewiss. Das führt zu einer Planungsunsicherheit – nicht nur bei uns, sondern auf dem gesamten Weltmarkt. Wir haben daher verschiedene Szenarien entwickelt, um schnell auf neue Gegebenheiten reagieren zu können."

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