Boston Consulting Group: Der automatisierte „...
 
Boston Consulting Group

Der automatisierte „Arbeitsplatz“

Dieter Poschmann/pixelio.de
Ein Industrieroboter in Betrieb © Dieter Poschmann/pixelio.de
Ein Industrieroboter in Betrieb © Dieter Poschmann/pixelio.de

Anfang April findet in der Hannover Messe die Industriemesse statt, die sich dem Thema „Advanced Robotics“ als kommende Schlüsseltechnologie widmet.

„Jedes dritte österreichische Unternehmen geht davon aus, dass maximal zehn Prozent der Arbeitsplätze durch Automatisierung wegfallen“ – dieses Zitat ist die lange Headline einer Aussendung der Boston Consulting Group (BCG) zu diesem Thema, und schon daran kann man erkennen, wie komplex es ist. Vereinfacht gesagt: Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass künftig Roboter die Fabriken dominieren werden, bei „Advanced Robotics“ dürfte es sich um einen Toptrend handeln. Im Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern können Advanced Robots auf ihre Umwelt reagieren und „selbstständig“ handeln. Die Studie „Advanced Robotics in the Factory of the Future“, die BCG erstellt hat, zeigt, dass österreichische Industrieunternehmen vor allem die Chancen der neuen Technologie sehen und insgesamt von einem geringeren Stellenabbau ausgehen als in anderen Ländern. Das ist aber nicht überall so: „Vor allem chinesische Unternehmen rechnen mit einem Abbau vor Arbeitsplätzen. In China finden zum einen viele Tätigkeiten statt, die leicht zu automatisieren sind, zum anderen ist eine menschenlose Fabrik generell eher vorstellbar als in Österreich“, sagt Hannes Pichler, BCG-Partner und Leiter der Praxisgruppe Operations in Deutschland und Österreich.

Zehn Prozent der Arbeitsplätze in Österreich können verloren gehen

Insgesamt gehen 67 Prozent der chinesischen Unternehmen von Jobverlusten aus. Etwa ein Fünftel der Befragten glaubt sogar, dass durch den Einsatz von Robotern mehr als 20 Prozent der Arbeitsplätze verloren gehen werden. In Österreich liegt dieser Wert bei fünf Prozent. 32 Prozent erwarten nur einen moderaten Abbau von fünf bis zehn Prozent der Arbeitsplätze bis 2025. Über die Hälfte der befragten Unternehmen glaubt an deutliche Produktivitätsprofite durch den Einsatz von Advanced Robotics. Vor allem Routineaufgaben wie das Be- und Entladen von Maschinen werden in Zukunft automatisiert werden. Hannes Pichler meint aber, dass darin auch eine Chance liegen könne, weil Robot-bezogene neue Tätigkeitsprofile entstehen würden, die neue Fähigkeiten erfordern, die man wiederum lernen könne; es würde ein nicht geringer Bedarf an (Weiter-)Bildung entstehen.

Gezügelte Investitionslust

Hinsichtlich des Potenzials sind sich die Befragten aus den verschiedenen Ländern also einig. Der Automatisierungsgrad soll bis 2025 um mehr als 15 Prozent erhöht werden. Industrieübergreifend sind es momentan elf Prozent, was daran liegt, dass Advanced Robotics derzeit schlicht zu teuer ist; man schreckt vor den hohen Investitionskosten zurück. Man ist auch deswegen noch zurückhaltend, weil man diese Technik noch nicht für ausgereift hält. Dennoch planen 86 Prozent der befragten Unternehmen die Implementierung von Advanced Robotics in den nächsten drei Jahren. Spitzenreiter sind Indien, China und Polen mit Werten von fast 100 Prozent. Österreich liegt mit einem Wert von 89 Prozent im Mittelfeld, sagt BCG, während Japan mit 72 Prozent das Schlusslicht bildet. Insgesamt mangelt es aber an Strategien oder Anwendungsszenarien, oder anders gesagt: Die Unternehmen haben noch keine konkreten Ideen.

Die Studie

Für ihre Studie „Advanced Robotics in the Factory of the Future“ hat BCG Führungskräfte sowie Produktions- und Technologiemanager von weltweit mehr als 1.300 Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen verschiedener Industrien zur Bedeutung und zu den Vorteilen von Advanced Robotics für die industrielle Produktion befragt. Die Studie zeigt den aktuellen Stand in der Produktion sowie die Ambitionen der befragten Unternehmen.
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