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Dossier: sugar less, less sugar

Die Zucker-Antagonisten

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Immer mehr vor allem junge Marken konzentrieren sich ausschließlich auf Produkte mit keinem oder kaum Zucker. Was ihre Beweggründe sind, wie sie zum Thema Zucker stehen und was ihre Produkte besonders macht, erfahren Sie hier.

Die schrittweise Reduktion von Zucker spielt in nahezu allen Lebensmittelbereichen seit Jahren eine wichtige Rolle und war auch eines der Trend-Themen der diesjährigen Biofach-Online-Ausgabe. Während die meisten Produzenten den Konsumenten peu á peu hin zu einem gesünderen Lebensstil führen und ihn langsam an den neuen Geschmack gewöhnen, machen andere Nägel mit Köpfen und starten direkt neue Marken, deren Produkte gar keinen oder kaum industriellen Zucker enthalten. Zu den größten Herausforderungen gehört dabei, einerseits den Geschmack zu bewahren – schließlich sollen auch die zuckerreduzierten Lebensmittel noch gut schmecken und andererseits trotzdem auf viele Zuckerersatzstoffe zu verzichten. Aus Sicht von Manuel Zeller, Mitgründer und CEO von Neoh (Alpha Republic GmbH) würden die meisten Ersatzstoffe schnell im Blut als Glucose auftauchen und somit nicht den positiven Effekt der Zuckerreduktion bringen. "Unser Schokosnack hat nicht nur keinen zugesetzten Zucker, sondern kaum Auswirkung auf den Blutzucker", hebt Zeller die Vorzüge des erfolgreichen Riegels mit einem Gramm Zucker hervor.

Manuel Zeller, Gründer und Geschäftsführer von Neoh

Kerstin Lieser, PR Manager Europe bei foodspring, sieht den Vorteil ihrer Produkte darin, dass diese ohne Industriezucker gesüßt werden. Stattdessen setzt die Mars-Tochter auf unter anderem Steviolglycoside aus der Stevia-Pflanze oder süßt ihre Erzeugnisse mit Maltit, das aus Mais- und Weizenstärke gewonnen wird. "Es besitzt eine Süßkraft von 70 bis 80 Prozent und ist optimal zum Süßen von Desserts geeignet, da es im Mund ein cremiges Gefühl hinterlässt", so Lieser.  

Bewusste Produktauswahl

Die Gründer von Ketofabrik: Dušan Milekić, Slobodan Stojanović, Nicola Di Loreto
Ketofabrik
Die Gründer von Ketofabrik: Dušan Milekić, Slobodan Stojanović, Nicola Di Loreto
Einem nahezu zuckerfreien Lebensstil haben sich auch die Gründer der Ketofabrik verschrieben. Sie orteten früh einen Mangel an zuckerarmen Produkten im Süßwarenregal und wollten mit einem neuen Riegel Abhilfe schaffen, der "nicht künstlich schmeckt und auch keinen Nachgeschmack hat", schildert Mitbegründer Dušan Milekić. Co-Gründer Nicola di Loreto ergänzt: "Der Zuckerkonsum kann nur reduziert werden, wenn wir als Konsumenten bewusst unsere Produkte auswählen. Zucker kommt nicht nur in Produkten vor, wo er erwartet wird. Daher gilt ein Blick auf die Zutatenliste. Dort müssen die Zutaten in mengenmäßig absteigender Reihenfolge angeführt werden. Wenn ein Produkt gezuckert wird, muss dies in der Zutatenliste deklariert werden. Natürlich enthaltener Zucker findet sich nur in der Nährwerttabelle als Gesamtwert mit dem zugesetzten Zucker wieder."

Auf den zweiten Blick

Julia Tulipan: "Ohne übertrieben klingen zu wollen, aber ich denke, dass es kaum ein wichtiges Thema gibt als die Zuckerreduktion."
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Julia Tulipan: "Ohne übertrieben klingen zu wollen, aber ich denke, dass es kaum ein wichtiges Thema gibt als die Zuckerreduktion."
Das Start-up Tulipans entwickelt low-carb Lebensmittel, die einen einfachen Einstieg in ein zuckerfreies Leben und eine ketogene Ernährung bieten. Gründerin Julia Tulipan beschäftigte sich schon vor der Unternehmensgründung lange Zeit mit dem Thema: "Ich habe selbst viele Jahre lang mit meinem Gewicht und meiner Gesundheit zu kämpfen gehabt. Die starke Reduktion von Zucker und einfachen Kohlenhydraten hat mein Leben dramatisch verbessert. Nicht nur das Gewicht hat sich normalisiert, auch andere Probleme wie Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und chronische Rückenschmerzen sind verschwunden", schildert Tulipan ihre Erfahrung. Ihr zufolge gibt es kaum ein wichtigeres Thema als Zucker, wenn es um eine gesunde Ernährung geht. Sie warnt vor allem vor verstecktem Zucker: "Was den reinen Zucker in Lebensmitteln betrifft, sind viele Konsumenten bereits sehr gut informiert. Den meisten Menschen ist jedoch weniger bewusst, dass fast alle Kohlenhydrate zu Zucker werden. Nudeln wären hier ein gutes Beispiel. 100 Gramm Nudeln enthalten nur etwa 3 Gramm Zucker aber 70 Gramm Kohlenhydrate. Auch die 70 Gramm Kohlenhydrate werden zu einfachen Zuckern zerlegt und landen dann im Blut. Sie sind also blutzuckerwirksame Kohlenhydrate", sagt die Gründerin.

Checkliste für weniger Zucker

Vor verstecktem Zucker warnt auch die Organisation Sipcan. Sie setzt sich für übersichtliche Orientierungskriterien bei Lebensmitteln, allen voran Getränken und Milchprodukten ein und gibt Empfehlungen über den maximalen Zuckergehalt an. Diesen setzt die Organisation bei Getränken auf maximal 6,7 g/100 ml (inklusive natürlich enthaltenem Zucker) an. Bei Molkereiprodukten sollte ein Gesamtzuckergehalt von maximal 11,5 g/100 ml bzw. 100 g (inkl. natürlichem Milchzucker) nicht überschritten werden. Zusätzlich können Interessierte mithilfe einer Checkliste die Sipcan-Bewertung von rund 1.500 Milchprodukten und Getränken erfragen.

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