9. Steirische BVL Logistiktag: Effizienz brau...
 
9. Steirische BVL Logistiktag

Effizienz braucht Planungssicherheit

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DI Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich, eröffnet den 9. Steirischen Logistiktag
DI Roman Stiftner, Präsident der BVL Österreich, eröffnet den 9. Steirischen Logistiktag

Der 9. Steirische Logistiktag der Bundesvereinigung Logistik Österreich (BVL) zeigte deutlich das Engagement der Logistikbranche für Nachhaltigkeit und eine Optimierung ihrer Leistungen. Höhepunkte der mit über 100 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung am Flughafen Graz-Thalerhof waren konkrete Vorschläge für eine Verbesserung der Infrastruktur, innovative Produkte sowie neue Tools für eine erhöhte Planungssicherheit für Industrie und Logistik.

In seinem Einleitungsstatement wies BVL Präsident DI Roman Stiftner auf eine gemeinsam mit der WKO in Auftrag gegebene Studie zum Thema Schienengüterverkehr hin. Als Empfehlung könne man aus der Studie die Entwicklung eines „Masterplan Verkehr“ ableiten mit der klaren Fokussierung auf die Aufrechterhaltung und den Ausbau von Anschlussbahnen. „Die für kommendes Jahr geplante Halbierung der Anschlussbahn-Förderung verursacht ökologische Defizite und Mehrkosten, etwa durch mehr Umladungsprozesse, und steht der Forderung nach mehr Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene entgegen“, so Stiftner.

Auch müsse rasch ein Konzept für den Schienenverkehr in der Fläche erstellt und umgesetzt werden, um die Planungssicherheit der verladenden Unternehmen und des effizienten Mitteleinsatzes des Infrastrukturbetreibers sicher zu stellen. Auch die derzeit favorisierten Großprojekte seien für die jeweiligen Regionen durchaus wichtig, aber in Zeiten des Sparens, könnten auch kleinere Projekte beachtliche Verbesserungen bringen. Stiftner verwies dabei unter anderem auf die Wichtigkeit eines Ausbaus der Pyhrn- Schober-Achse, die gerade für die steirische Wirtschaft eine besondere Bedeutung habe.

Stiftner kündigte in seiner Begrüßung auch den Logistikkongress der BVL, den 28. Logistik-Dialog, am 15. und 16. März 2012 in der Pyramide in Wien-Vösendorf an. Erstmals wird es dabei auch die Verleihung eines Nachhaltigkeits-Awards geben. Gemeinsam mit der deutschen BVL wird künftig in Wien der „Nachhaltigkeitspreis Logistik“ für Organisationen und Betriebe vergeben, die sich in vorbildlicher Weise um die betriebswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Bereiche der Nachhaltigkeit verdient gemacht haben.

Univ.-Prof. Peter Walter Veit, Vorstand des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft an der TU Graz, fand treffende Worte für die aktuelle Situation der Bahnen in Europa. „Trennt sich das Rad von der Schiene, war das früher eine Entgleisung, heute denkt man an eine Bahnreform.“ 

Mit den neuen Herausforderungen müssten auch die ÖBB leben. Bis 2025 verfolgen die ÖBB beim Streckenausbau zwei Zielsetzungen: eine Kapazitätserweiterung, aber auch  eine Fahrzeitreduktion. Für die Steiermark im Besonderen seien der Semmering-Basistunnel, die Koralmbahn, aber auch die Schober-Pyhrn- Route und die Grazer Ostbahn von besonderer Bedeutung. Kritisch merkte Veit an, dass die Infrastrukturkosten betriebswirtschaftlich für die Nutzer nicht als variable Kosten angesehen werden dürfen. „Die Trassenpreise sind nicht in Ordnung, in die Berechnung fließen nur Zug- und Tonnenkilometer, in manchen Ländern auch Zeitfenster und ähnliches ein, aber letztlich sind das alles willkürliche Preise und haben keine Verursachergerechtigkeit.“ Eine Optimierung des Systems über die Benützungsgebühr (IBE) sei daher nicht möglich, weil eine deutliche Spezifizierung fehle.

In einer Diskussionsrunde zu diesem Thema pflichtete der Geschäftsführer des Cargo Center Graz, Ing. Franz Glanz, bei. Er glaube an ein Optimierungspotenzial beim kombinierten Verkehr, gehe aber auch davon aus, dass sowohl die Trassenpreise bei der Bahn als auch die Benützungsentgelte im Straßenfernverkehr in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden müssten, um auch im Transportbereich das Thema Nachhaltigkeit umzusetzen.

Glanz rechnete vor, dass die Gesamtfahrzeit für einen Lkw-Transport von Passau nach Graz im Durchschnitt 3 Stunden und 37 Minuten beträgt, ein Bahntransport für die gleiche Strecke um 4 Stunden länger benötigen würde. Ein Grund dafür: „Auf der Pyhrn-Strecke können wir derzeit nicht die volle Nutzlast ausnutzen, außerdem müssen oft zwei oder sogar drei Loks eingesetzt werden.“ Der CCG-Geschäftsführer in einem weiteren Beispiel: „Heute beträgt die Fahrzeit zwischen Nürnberg und Graz für einen Zug und zwei Loks 11 Stunden. Nach einem Ausbau der Pyhrn-Strecke wären es nur noch 8 Stunden und eine Lok.“

Beim 9. Steirischen Logistiktag wurden den 100 Teilnehmern auch innerbetriebliche Logistik-Beispiele als Best-Practice-Modelle präsentiert. DI Alfons Dachs-Wiesinger berichtete über die aktuellen Logistik-Services bei Magna Steyr Fahrzeugtechnik, Marius Reber, Intralogistikleiter JCL Fashion Logistics GmbH, stellte die Marktsegmente der JCL, Transport- und Produktlogistik für B2B und B2C, dar. 

Beeindruckend war die Produktvorstellung von Mag. Norbert Hübler von der Grazer SSI Schäfer Peem. „Der Autocruiser bietet die Möglichkeit, Kosten und Energie zu sparen.“ Die Neuentwicklung stellt eine Konkurrenz zu Gabelstapler, einem fahrerlosen Transportsystem oder einem Förderbandes dar. Ein selbstfahrender Wagen wird auf Schienen, die leicht zu verlegen sind, von einem Akku  - „Dafür geben wir eine lebenslange Garantie“ - angetrieben. Fahrgeschwindigkeit 1 m pro Sekunde. Bei einem Hindernis stoppt der Wagen automatisch. Das Gefährt ist derzeit für den Transport von maximal 30 kg typisiert und vor allem für KMU im Produktions-, aber auch im Dienstleistungsbereich und im Handel für die unterschiedlichsten Transportaufgaben einsetzbar.

Im letzten Teil der Veranstaltung ging es um den Bereich Prognosesicherheit. Je näher am Markt, desto kurzfristiger müsse agiert werden, stellte Prokurist Armin Durst von der Niederlassung der Gebrüder Weiss GmbH in Graz fest. Einen etwas anderen Planungsvorlauf hat hingegen der Lebensmittellogistiker Pfeiffer. Prokurist und Leiter Zentrallager Süd, Robert Lang, setzt auf eine längerfristige Marktbeobachtung und nutzt ein Prognosetool: „Wir disponieren mit einem Softwaretool automatisch. Erfahrungswerte, behördliche Rahmenbedingungen, Lieferkonditionen und eine Vielzahl an hochqualitativen Daten mehr unterstützen in der Planung und helfen Out of Stock-Situation zu vermeiden“.

Dennoch: Weder bei den Budgetvorgaben noch bei der Umsatz- und Absatzplanung gebe es einen hohen Grad an Sicherheit, merkte Ing. Mag. Hannes Hunschofsky, Executive Vize President Global Operations der HOERBINGER KT Holding, in seinem  Referat an. Bis vor vier Jahren hätte auch er keine makroökonomischen Daten für die Planung herangezogen, jetzt habe man aber „das Ei des Columbus“ gefunden. Gemeinsam mit dem US-Prognosespezialisten ITR habe man Tools entwickelt, die es möglich machten, die künftige Marktentwicklung frühzeitig zu antizipieren und daher zeitgerecht zu reagieren. Basis dafür sei der eigene Umsatz in den vergangenen Jahren gewesen, den man zu rund 1.000 makroökonomischen Daten in Korrelation gesetzt habe. Einige wenige dieser Daten hätten auffallend präzise mit einem Vorlauf von rund sechs Monaten mit der eigenen Umsatzentwicklung übereingestimmt. Mit Hilfe mathematischer Modelle werde seit 2010 zusätzlich zu den auch schon vorher genutzten Prognosemodellen dieses Tool – E-TOM – genutzt. Die bisherigen Ergebnisse zeigten, dass Vorhersagen über die künftigen Entwicklungen nun wesentlich präziser und zeitgenauer möglich seien.
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