Fachverband der Lebensmittelindustrie: "Indus...
 
Fachverband der Lebensmittelindustrie

"Industrie kann Krise"

Christian Husar
V.l.n.r.: Keynote-Speaker Martin Selmayer, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart, Obmann des Fachverbands der Lebensmittelindustrie
V.l.n.r.: Keynote-Speaker Martin Selmayer, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart, Obmann des Fachverbands der Lebensmittelindustrie

Beim Jahresempfang der Lebensmittelindustrie sprach sich Fachverbandsobmann Johann Marihart für grenzübergreifende Bemühungen aus.

Am 13. September 2022 fand der 19. Jahresempfang der Lebensmittelindustrie in der Wiener Hofburg statt. Rund 250 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik fanden zusammen, um den Umgang mit Krisen und die damit einhergehenden Herausforderungen zu besprechen. Fachverbandsobmann Johann Marihart sagte bei der Begrüßung: "In den vergangenen zwei Jahren hat die Branche eindrucksvoll gezeigt, dass sie mit Krisen umgehen kann. Die Versorgung der Bevölkerung war zu jedem Zeitpunkt gesichert. Wir stecken in einer Teuerungswelle von historischem Ausmaß. Diese trifft die Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch die Unternehmen. Für viele Betriebe geht es um das wirtschaftliche Überleben."

"Alleingänge gefährden den Binnenmarkt"

Dies ging einher mit einem klaren Bekenntnis zu Europa und dem EU-Binnenmarkt. Für die Keynote sprach Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, über die Bedeutung der Lebensmittelindustrie als Wirtschaftsmotor in Europa. Mit rund 4,5 Millionen Beschäftigten und 1,1 Billionen Euro Jahresumsatz ist die Lebensmittelindustrie einer der wichtigsten Produktionssektoren und der größte Arbeitgeber in der Europäischen Union. Als weltgrößter Exporteur von Lebensmitteln schafft die europäische Lebensmittelindustrie einen positiven EU-Handelsüberschuss von jährlich 67 Milliarden Euro. "Ein funktionierender EU-Binnenmarkt ist essenziell für den Erfolg der Unternehmen und das Wohlergehen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich und in Europa. Nationale Alleingänge schaden dem EU-Binnenmarkt", fasst Selmayr zusammen.

Die Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Katharina Koßdorff, schlussfolgerte: "Wir brauchen einheitliche Spielregeln, einen wirksamen Rahmen für Export und Import sowie faire Handelsabkommen. Nur wenn wir in Europa gemeinsam vorgehen, werden wir in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein."

„Die Lebensmittelindustrie gehört zur kritischen Infrastruktur.“
Katharina Koßdorff

Für die heimische Lebensmittelindustrie fand sie ebenfalls klare Worte: "Die Lebensmittelindustrie gehört zur kritischen Infrastruktur. Daher können wir nur an die Politik appellieren, den Lebensmittelherstellern und ihren Partnern entlang der Lebensmittelkette im Energielenkungsfall die für die Produktion benötigten Mengen an Gas zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen auch die Hersteller von Lebensmittelverpackungen oder Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Nur so lässt sich die Lebensmittelversorgung in Österreich weiterhin gewährleisten", so Koßdorff angesichts der anhaltenden Krisen. Die Teuerungen bringen viele Betriebe wirtschaftlich ans Limit und ohne Gas stünde die Produktion still. Angesichts der aktuellen Debatte über Strompreise müsse außerdem das Strommarktdesign auf EU-Ebene überdacht werden. Darüber hinaus betonte Koßdorff den Einsatz der Branche für eine nachhaltige Lebensmittelherstellung im Rahmen des European Green Deals und der europäischen "Farm to Fork"-Strategie.

 

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