Fachverband der Lebensmittelindustrie: Zankap...
 
Fachverband der Lebensmittelindustrie

Zankapfel Herkunftskennzeichnung

Angelo Rosa/pixabay.com

Der österreichische Fachverband der Lebensmittelindustrie spricht sich gegen eine rein nationale Herkunftskennzeichnung von Primärzutaten in verarbeiteten Lebensmitteln aus und setzt stattdessen auf EU-weit einheitliche Regelungen.

In der Nationalratssitzung am 18. Juni 2020 soll ein Entschließungsantrag verabschiedet werden, der eine verpflichtende, rein nationale Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln vorsieht. Gegen dieses Vorhaben gibt es starken Protest seitens des Fachverbands der Lebensmittelindustrie. So meint etwa dessen Geschäftsführerin Mag. Katharina Koßdorff: "Eine rein nationale Verpflichtung für eine zusätzliche Herkunftskennzeichnung für die Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier bei verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln trifft nur unsere heimischen Hersteller, nicht aber deren ausländische Mitbewerber und Importprodukte."

Eine derartige Regelung würde zudem für österreichische Produzenten einen zusätzlichen Aufwand an Kosten und Administration bedeuten. "Das ist gerade jetzt nach der Coronakrise eindeutig der falsche Weg! Jetzt gilt es vielmehr, die heimischen Versorger zu entlasten statt zu belasten! Die Kennzeichnung von Lebensmitteln darf nur im EU-Gleichklang erfolgen. Denn nur EU-einheitliche Vorgaben sind im Wettbewerb nicht diskriminierend, weil sie für alle heimischen und ausländischen Marktteilnehmer im EU-Binnenmarkt gleichermaßen gelten - im Gegensatz zu nationalen Systemen", so Koßdorff. Schließlich müsste dann jede Änderung des Herkunftsortes der Primärzutat auf der Verpackung abgebildet werden, was zu erheblichen Mehrkosten führen würde.

Die zuständige Bundesministerin Elisabeth Köstinger verteidigt die nationale Herkunftskennzeichnung mit zukünftig besseren Chancen für die österreichischen bäuerlichen Familienbetriebe.
 "Heimische Qualitätsprodukte liegen im Trend. Wir müssen unseren hochwertigen rot-weiß-roten Erzeugnissen den Vorrang geben, und genau das wollen wir mit einer durchgängigen Herkunftskennzeichnung erreichen", so die Ministerin, die als Vorbild das italienische und französische Modell nennt. In diesen beiden Ländern konnten ihr zufolge durch die Einführung der Herkunftskennzeichnung die Absatzzahlen von nationalen Agrarerzeugnissen bedeutend gesteigert werden.
stats