Fachverband der Lebensmittelindustrie: Fakten...
 
Fachverband der Lebensmittelindustrie

Fakten, Lügen und „gefühlte Halbwahrheiten“

Fachverband/Nesvadba
Standen am Podium der Veranstaltung: Obmann Johann Marihart, Katharina Kossdorff (Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie), Elisabeth Köstinger (Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus), Moderatorin Marie Claire Zimmermann und Keynote-Speaker Axel Ebert (Partner wortwelt und Buchautor). © Fachverband/Nesvadba
Standen am Podium der Veranstaltung: Obmann Johann Marihart, Katharina Kossdorff (Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie), Elisabeth Köstinger (Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus), Moderatorin Marie Claire Zimmermann und Keynote-Speaker Axel Ebert (Partner wortwelt und Buchautor). © Fachverband/Nesvadba

Die Lebensmittelindustrie darf auf ein positives Jahr zurückblicken. Beim Empfang der Lebensmittelindustrie beschäftigte man sich dennoch mit den Mythen im Lebensmittelbereich und wie man diesen in der öffentlichen Meinung entgegenwirken kann.

Zum 17. Mal lud der Fachverband der Lebensmittelindustrie zum Empfang der Lebensmittelindustrie. „Zwei Drittel unserer Produkte gehen in den Export“, so Fachverband-Obmann Johann Marihart in seiner Eröffnungsrede. „Dort liegt das große Potenzial für weiteres Wachstum.“ Mit 8,3 Milliarden Euro Umsatz hat die Lebensmittelindustrie ein gutes Jahr hinter sich, so Marihart.

Auf Marihart folgte Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, am Podium. Auch für Köstinger hält der Export viel Wertschöpfung für die heimische Lebensmittelindustrie bereit, die es noch weiter zu stärken gilt. Die große Stärke von Österreich liege in der tollen Landwirtschaft, die vor allem durch kleinstrukturierte und bäuerliche Betriebe getragen wird – diese gilt es zu schützen. Zu den Diskussionen hinsichtlich des Konsums von Rohstoffen wie Zucker und Palmöl warnte sie vor zu vielen erhobenen Zeigefingern: „Wir müssen wieder die Eigenverantwortung des Konsumenten in den Vordergrund rücken“, so Köstinger. Bezüglich der zunehmenden Fettleibigkeit von Kindern nahm die Bundesministerin nicht vordergründig die Vertreter der Lebensmittelindustrie in die Verantwortung, sondern riet dazu, „Kinder wieder raus in die Natur und weg vom Fernseher zu bringen“.

Lüge versus Mythos
Im Anschluss sprach Buchautor Axel Ebert in der Keynote des Abends zum Thema „Alles Bullshit? Halbwissen auf dem Prüfstand“. Auch die Nahrungsmittelbranche ist von Mythen betroffen: Als Beispiel nannte er etwa die angebliche Studie von James Vicary im Jahr 1957: Der Marktforscher behauptete damals, dass mit unterschwelligen Werbebotschaften das Unterbewusstsein beeinflusst werden kann – Jahre später gab Vicary zu, dass das Experiment nur erfunden war. Ebert klärte zuerst über den Unterschied zwischen Lüge und Bullshit auf: Bei der Lüge kenne der Verbreiter die Wahrheit, verschleiert diese aber bewusst. Hinter Bullshit stehen „gefühlte Wahrheiten“ –Hauptsache ist, die Geschichte funktioniert. Das klappt deshalb so gut, da Menschen durch die Fülle an Nachrichten heute überfordert werden. Der Begriff „Fencesitters“ steht dabei für Leute, die zwischen Fakten und Bullshit sitzen: Diese kann man laut Ebert noch auf die richtige Seite ziehen, wenn man Fakten schlüssig betont. Weiters helfen gegen Mythen Grafiken und Worte, die eine bestimmte Gruppe von Menschen anspricht.

„Herr Ebert hat gut gezeigt, wie Mythen entstehen können“, so Katharina Kossdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie. Zum Thema Palmöl betonte sie etwa, dass man hier „einen wertvollen Rohstoff schlechtreden möchte“ und kündigte an: „Wir wollen dem Palmöl- und Zucker-Bashing Fakten entgegensetzen“.
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