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Deutschland: Selbstbeschränkung reicht nicht

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Werbung für Kinderprodukte ist auch dem foodwatch-Ableger in der Bundesrepublik ein Dorn im Auge. Eine Studie zeigt: Der Anteil der "ungesunden Lebensmittel" hat sich kaum verringert.

Wenn es um zuckerhaltige Lebensmittel geht - besonders solche, die für Kinder gedacht sind - gibt es verschiedene Selbsteinschränkungen der Hersteller, was die Werbung angeht. Wie auch in Österreich, wo die freiwillige Selbsteinschränkung der Werbetreibenden Industrie beim Werberat geregelt ist. Nun hinterfragt foodwatch Deutschland, ob diese freiwilligen Einschränkungen etwas bringen. Dafür wurden 300 Produkte von Markenherstellern unter die Lupe genommen. Oliver Huizinga, Kampagnendirektor bei foodwatch Deutschland, fasst das Resultat zusammen: "Der Großteil der Produkte hat noch einen unausgewogenen Nährwert, das hat sich seit der Studie von 2015 nicht geändert. Unter den größten Markennamen hat sich lediglich Danone etwas gebessert. Die Hersteller haben zwar oft Zucker reduziert, meistens liegt der Anteil in den Produkten noch immer über den von der WHO empfohlenen Werten." Die meisten Kinderprodukte kann foodwatch also nicht empfehlen.

Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit an der Kinderklinik der Universität München, warnt: "Nicht-übertragbare Krankheiten sind meistens abhängig von der Ernährung. Werbung fördert das. Wir haben 76 Studien zu Lebensmittelwerbung analysiert und sehen den eindeutigen Effekt, der gerade bei jungen Menschen stark ist. Deshalb braucht es verpflichtende Regulatorien in der Werbung."

Unterstützt wird diese Aussage von Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten: "Kinder sehen täglich 15 Werbespots für ungesunde Ernährung und in den sozialen Medien sind Werbeinhalte von anderen Inhalten nur schwer unterscheidbar. Das ständige Predigen mit dem erhobenen Zeigefinger funktioniert nicht, es braucht ein Umfeld, das gesunde Ernährung ermöglicht. Ein Werbeverbot wäre ein wichtiger Schritt, löst das Problem aber nicht. Es braucht auch nach dem Nährwert gestaffelte Mehrwertsteuern und mehr Bewegung in der Schule und im Alltag."

Reaktion foodwatch Österreich

Lisa Kernegger von foodwatch Österreich sagt auf CASH-Anfrage zu den Ergebnissen aus Deutschland: "Werbung an Kindern für ungesunden Lebensmitteln ist auch in Österreich ein gewichtiges Problem. Im Schnitt ist in Österreich etwa jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen im Alter von acht Jahren übergewichtig oder adipös. Übergewichtige Kinder und Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko, an Diabetes Typ II oder anderen Stoffwechselproblemen zu erkranken. Daher fordert foodwatch Österreich, dass unausgewogene Lebensmittel nicht mehr an Kinder und Jugendliche beworben werden sollen. Dazu soll das am 31. Mai von der nationalen Ernährungskommission beschlossene 'Nährwertprofil zur Lenkung von Lebensmittelwerbung an Kinder in Audiovisuellen Medien' herangezogen werden. Es kann aber Werbung für Süßigkeiten, salzige Snacks und Limonaden nur wirksam beschränken, wenn es von allen Anbieter für Kindersendungen verpflichtend verwendet wird. Dafür fehlt derzeit allerdings die gesetzliche Grundlage. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass sich alle an das Nährwertprofil halten."


Was die Industrie in Österreich zu Werbeverboten sagt, können Sie auf cash.at vielfach nachlesen, eine letztgültige Entscheidung der Bundesregierung dazu steht noch immer aus.

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