FV Lebensmittelindustrie: Gegen „Gold Plating...
 
FV Lebensmittelindustrie

Gegen „Gold Plating“

Tim Reckmann/pixelio.de
Eine Version der Gretchen-Frage: Wie hältst du es mit der Herkunftsangabe? © Tim Reckmann/pixelio.de
Eine Version der Gretchen-Frage: Wie hältst du es mit der Herkunftsangabe? © Tim Reckmann/pixelio.de

Vorschnelles Handeln zur verpflichtenden Herkunftsangabe in Österreich allein bedeute ein Übererfüllen von EU-Vorgaben und schade dem Standort, sagt der Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus plant, eine nationale, zwingende Herkunftsangabe bei verarbeiteten Lebensmitteln (Fleischprodukten, Milch, Eiprodukten, verarbeiteten Produkten und Milchprodukten) einzuführen. Das geht deutlich über bereits geltendes EU-Lebensmittelrecht hinaus, gilt nur für inländische Hersteller und hat deswegen den Fachverband der Lebensmittelindustrie zu einer Stellungnahme veranlasst.

Mit dieser geplanten Regelung belaste die Bundesregierung „ausschließlich unsere heimischen Lebensmittelproduzenten, indem sie diesen zusätzliche Investitionen und mehr Bürokratie auflädt. Ausländische Produzenten sparen sich diesen Mehraufwand, konkurrieren aber im Supermarktregal – im In- und Ausland – unmittelbar mit den österreichischen Produkten. Gegen diese Benachteiligung unserer österreichischen Betriebe sprechen wir uns ganz klar aus. Wie ist dieses Vorhaben mit dem Kampf gegen Gold Plating und der Standortinitiative vereinbar?“, sagt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, und fordert mehr Rückendeckung durch die Politik.

In ihrem Statement bezieht sich Koßdorf auf das Faktum, dass sich die Regierung im Koalitionspakt gegen dieses Gold Plating (d. i. die Übererfüllung von EU-rechtlichen Normen) ausgesprochen hat. Die von der Regierung geplante verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln stehe dazu jedoch in „krassem Widerspruch“: „Wir fordern einheitliche Spielregeln auf EU-Ebene und keinen nationalen Alleingang bei der Lebensmittelkennzeichnung. Das schwächt unsere heimischen Lebensmittelhersteller“, so Koßdorff anlässlich jüngster öffentlicher Debatten.

Eine verpflichtende nationale Herkunftskennzeichnung würde laut FV Lebensmittelindustrie Folgendes bedeuten: Rohstoffe müssten nach Herkunft räumlich getrennt werden – bei Anlieferung, Lagerung und Weiterverarbeitung. Damit wären etwa Extra-Lagerräume/Silos/Tanks sowie nach Herkunft der Rohwaren getrennte Verarbeitungsschritte pro Produktcharge unumgänglich. Das bedeutete – unter Berücksichtigung bereits bestehender Produktions- und Logistikprozesse (Bio, AMA-Gütesiegel, gentechnikfrei, spezifische Kundenwünsche usw.) – zusätzliche Investitionen und weiteren Administrationsaufwand für die österreichischen Lebensmittelunternehmen. Es müssten auch Herkunftsangaben auf der Verpackung laufend angepasst werden, damit sie für eine nachträgliche Prüfung nachvollziehbar sind. Das verteuere die Lebensmittel „Made in Austria“. Allen anderen Herstellern aus der EU bzw. aus Drittstaaten, die ihre Produkte in Österreich anbieten, blieben diese zusätzlichen Herkunftskosten erspart.
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