Qualityaustria: Gegen Lebensmittelverschwendu...
 
Qualityaustria

Gegen Lebensmittelverschwendung

Anna Rauchenberger
V.l.: Eva Eidinger-Simacek (CSR-Beauftragte, Lidl Österreich), Julia Haslinger (Programmleitung Nachhaltige Ernährung, WWF Austria), Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) ©Anna Rauchenberger
V.l.: Eva Eidinger-Simacek (CSR-Beauftragte, Lidl Österreich), Julia Haslinger (Programmleitung Nachhaltige Ernährung, WWF Austria), Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) ©Anna Rauchenberger

Strategien gegen Lebensmittelverschwendung standen am 19. September beim 10. Qualityaustria-Lebensmittelforum im Arcotel Nike in Linz im Mittelpunkt.

Weltweit landet ein Drittel der Nahrungsmittel im Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Die Daten über die Vergeudung verblüfften die rund 90 Teilnehmer des Lebensmittelforums ebenso wie die bereits umgesetzten Maßnahmen im Bereich des Qualitätsmanagements. Die meiste Verschwendung passiert allerdings weder in den Produktionsstätten noch entlang der Lieferketten, sondern in den privaten Haushalten.

„Allein in der Europäischen Union landen pro Jahr 89 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, was pro Kopf einer Menge von 179 kg entspricht. Zugleich gibt es aber 42 Millionen Menschen in der EU, die sich nur jeden zweiten Tag eine qualitativ hochwertige Nahrung leisten können“, sagte Wolfgang Leger-Hillebrand (Branchenmanagement Lebensmittelsicherheit, Quality Austria) in seinem Beitrag zur Geschäftsentwicklung von Produkten im Bereich Lebensmittelsicherheit. „Das Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt uns als Quality Austria, weil es eine multidisziplinäre Herausforderung im Zusammenhang mit Integrierten Managementsystemen ist. Es geht nicht nur um Umwelt-, Energie- und Nachhaltigkeitsaspekte, sondern auch um Qualität und Rechtssicherheit.“ Qualityaustria-Geschäftsführer Konrad Scheiber versprach: „Quality Austria wird die Weiterentwicklung der Normen in Zukunft weiter aktiv mitgestalten.“

179 kg Lebensmittel werden weggeworfen


In seiner Überleitung zum Thema Lebensmittelverschwendung ließ Leger-Hillebrand mit beeindruckenden Zahlen aufhorchen: „Allein in der Europäischen Union landen pro Jahr 89 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, was pro Kopf einer Menge von 179 kg entspricht. Zugleich gibt es aber 42 Millionen Menschen in der EU, die sich nur jeden zweiten Tag eine qualitativ hochwertige Nahrung leisten können.“ In diesem Zusammenhang wies Leger-Hillebrand auch auf die positive Rolle von EU-Leitlinien hin, die die nationalen Behörden und Lebensmittelunternehmen bei der Anwendung der einschlägigen EU-Rechtsvorschriften unterstützen sollen. Dies würde ebenfalls der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

Private Haushalte verschwenden


„Vom Feld bis zum Teller geht, global gesehen, ein Drittel der produzierten Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette verloren“, sagte Julia Haslinger, Programmleitung Nachhaltige Ernährung bei WWF Austria. Diese Verschwendung von Ressourcen hätte auch gravierende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Studie des WWF „Frisch verfault: Lebensmittelverschwendung in Österreich“ zeichne ein klares Bild der aktuellen Situation und liefere neue Daten und Fakten. „Österreich wirft jährlich so viel an genießbaren Lebensmitteln weg, wie die gesamte Kärntner Bevölkerung isst“, schilderte die Expertin anschaulich. Die meisten noch genießbaren Lebensmittel – 206.000 Tonnen – landen im Haushaltsmüll. Aufgrund falscher Lagerung und Fehlinterpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums komme es hier zu einer enormen Verschwendung. Von der Bundesregierung fordert der WWF einen konkreten österreichweiten Aktionsplan, damit die vermeidbaren Lebensmittelabfälle bis 2030 um die Hälfte reduziert werden. Es brauche klare Strategien, verbindliche Maßnahmenpakete und Reduktionsziele für alle Akteure der Wertschöpfungskette sowie klare Zuständigkeiten anstatt einer Zersplitterung auf mehrere Ministerien. „Essen darf nicht für den Mist sein. Das ist eine skandalöse Verschwendung von Ressourcen“, erklärte Haslinger. Hier gibt es Pflichten der Lebensmittelhersteller.

Outsourcing besser organisieren


Die Auswirkungen auf die Pflichten der Lebensmittelhersteller durch Outsourcing wurden von Andreas Schmölzer, Inhaber der Saicon Consulting, beleuchtet. „Mit Outsourcing holt man sich oft ungewollt Probleme ins Haus, die man durch eine gute Planung im Vorfeld vermeiden kann“, sagte Schmölzer. Der Sachverständige schilderte anhand von konkreten Fallbeispielen, für welche Mängel ein Auftraggeber und für welche ein Auftragnehmer bei einer ausgelagerten Lebensmittelproduktion haftbar gemacht werden kann. Im zweiten Schritt zeigte Schmölzer Wege auf, wie die Vertragsparteien Probleme beim Outsourcing vermeiden können, beispielsweise indem Vereinbarungen über Endproduktspezifikationen, Deklarationen, Sicherheitsparameter, Erfüllungsverpflichtungen und Prüfpläne getroffen werden.
stats