Greenpeace/VOEB (Update 14.8.): Plastik-Impor...
 
Greenpeace/VOEB (Update 14.8.)

Plastik-Import in der Kritik

Nick Fewings - unsplash.com
240.000 Tonnen Plastik werden jährlich nach Österreich importiert.
240.000 Tonnen Plastik werden jährlich nach Österreich importiert.

Greenpeace hinterfragt, ob die Menge an aus dem Ausland zugekauftem PET förderlich für die heimische Circular Economy ist, der VOEB antwortet.

Rund 240.000 Tonnen Plastikmüll werden jährlich nach Österreich importiert. Damit sind wir der viertgrößte Bezieher dieser Art von Abfall, nur Deutschland, die Niederlande und Belgien kaufen mehr zu. Geliefert wird der Müll aus Italien, Deutschland, Polen und Slowenien, aber mitunter auch aus Übersee, etwa Taiwan, Thailand oder Mexiko. Was davon nicht verbrannt wird, macht rund 40 Prozent des Rohstoffs der recycelten PET-Gebinde aus, die hierzulande hergestellt werden. 

Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich, geht mit den Entsorgungsunternehmen und Gebindeherstellern hart in die Kritik: "Mit dem Verschiffen von Plastikmüll und dem Versprechen von Recycling täuschen die Unternehmen vor, dass sie das Plastikproblem im Griff haben. Doch in Wahrheit wachsen die Müllberge noch immer rapide an. Politik und Unternehmen müssen unnötige Verpackungen deutlich reduzieren und Mehrweg-Verpackungen anbieten."

Laut Greenpeace werden nur 25 Prozent der entsorgten Kunststoffe wiederverwertet, wobei 30 Prozent des Materials für die Produktion von Flaschen genutzt werden. Hierzu sei gesagt, dass Gebinde nicht die einzige Verwendung von recyceltem PET sind, auch Kunstfasern und Folien lassen sich aus dem Rohstoff herstellen. Die Hälfte der PET-Abfälle, so die Umweltschutzorganisation, werden thermisch umgesetzt - also verbrannt. Panhuber fordert daher: "Unser Ziel muss sein, Verpackungen zu vermeiden oder wiederzuverwenden, damit sie so lange wie möglich im Kreislauf bleiben und nicht zu Müll werden. Die Politik muss sich an der Abfallvermeidungs-Pyramide orientieren - das heißt primär Maßnahmen zur Vermeidung und Wiederverwendung unterstützen."

Update 14.8.

Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) sieht in der Kritik von Greenpeace eine Themenverfehlung. "
Ich verwehre mich gegen die Bezeichnung 'Plastikmüll'. Wir sprechen hier von Sekundärrohstoffen, die einen Wirtschaftszweig mit 43.000 Mitarbeitern in ganz Österreich am Laufen halten. Und ich möchte ganz klar unterstreichen: Wir sind nicht das Problem bei den Kunststoffabfällen – wir bieten eine Lösung", so Jüly. 

Um die heimischen Anlagen im Kunststoffrecycling ökonomisch zu betreiben, bedürfe es zusätzlicher Mengen aus dem Ausland, heißt es im Antwortschreiben der VOEB. Österreich biete hierbei ein Vorzeigemodell beim Bottle-to-Bottle-Recycling. Abschließend stellt Jüly klar: "Eine Tonne Recycling erspart uns sieben Tonnen CO2. Recycling ist wichtig und richtig. Wir sind keine Müllhändler, wir sind hochqualifizierte Ressourcenmanager, und ohne unseren Beitrag wird es keine Kreislaufwirtschaft in Österreich geben. Unsere Betriebe verarbeiten Haus- und Gewerbeabfall innerhalb der EU umweltgerecht und zukunftsweisend zu Sekundärmaterial. Daher erwarten wir uns von den NGOs Unterstützung für das gemeinsame Ziel – und keine Polemik."
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