Henkel Fragrance Center: Immer der Nase nach
 
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Mehr als 10.000 verschiedene Düfte kann der Mensch registrieren und nach einem komplexen Muster im Gehirn verarbeiten. Sie alle wecken Erinnerungen und stimulieren uns mitunter zum Kauf ganz bestimmter Produkte.

Gerüche und Düfte begleiten die Menschheit seit jeher. Über das Verbrennen duftender Substanzen beispielsweise nahmen die Menschen aus antiken Zivilisationen in Griechenland und Ägypten Kontakt zu ihren Göttern auf. Sie glaubten, über den aufsteigenden Rauch mit den Göttern zu sprechen. Das lateinische per fumum – durch den Rauch – gilt als Ursprung des Wortes Parfum. Den Siegeszug des Wohlgeruchs bis in die Neuzeit ebnete vor allem die Erfindung der Destillation durch Araber und Perser etwa 900 n. Chr. Mit den Kreuzzügen hielt diese Technik auch ins westliche Europa Einzug. Um jederzeit an die begehrten Duftstoffe zu kommen, wurden schon im 12. Jahrhundert die ersten Parfumpflanzen in Grasse (Frankreich) angepflanzt.

Riechst du noch?



Als im Mittelalter Seuchen und Epidemien um sich griffen, setzte sich die Vermutung durch, dass schlechter Geruch die tödlichen Ansteckungsstoffe enthielt. Aus Angst, dass Wasser die Poren dafür frei macht, wuschen sich die Menschen weniger häufig. Puder und Parfum überdeckten allzu strengen Körpergeruch und sollten Schutz vor Krankheiten bieten. Einzug hielt ein neuer Hygienebegriff erst im 19. Jahrhundert – mit der Kanalisation verschwand der Gestank unter die Erde und frische Düfte wurden zum Symbol für den sozialen Status.

Oder duftest du schon?



Bis heute spielen Gerüche eine große Rolle. Sie symbolisieren Sauberkeit und Hygiene. Doch wie riecht Sauberkeit? In jedem Land lässt sich diese Frage anders beantworten. Frank Rittler, Senior Parfumeur im Henkel Fragrance Center im deutschen Krefeld: „In Norwegen und Portugal riechen Haushaltsreiniger nach Fichte, in Deutschland und Österreich nach Zitrone und Orange. Im Süden, zum Beispiel in Frankreich, ist Frische dagegen mit dem Duft von Lavendel verbunden. In Spanien und Italien wiederum assoziieren die Konsumenten den Geruch nach Chlor mit Sauberkeit. Das extremste Beispiel ist Afrika. Dort haben die Seifen einen sehr chemischen, ledrigen Geruch, jedenfalls für europäische Nasen – für die Afrikaner hingegen ist er der Inbegriff der Frische schlechthin.“

Consumer Insights



Ein und derselbe Geruch kann übrigens an verschiedenen Orten auf der Welt durchaus unterschiedlich ausfallen. Klima und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Duftentfaltung. Für Parfumeure wie Frank Rittler kein Problem: Sie betreiben Konsumentenforschung und wissen genau, welche Dufterlebnisse Verbraucher in den verschiedenen Nationen wünschen: „In den USA riecht Wäsche nach Moschus und Vanille, das wäre bei uns undenkbar.“ Aktuell im Trend: „Die Tendenz geht zu exklusiven, komplexeren Düften“, sagt Rittler, denn der Konsument sei anspruchsvoller geworden. „Neben frischen Duftvarianten sind auch exotische Duftnuancen, die an den Urlaub erinnern, beliebt, wie zum Beispiel das neue Pril Pure & Natural. Auch in der Duftwelt gibt es eben Modeerscheinungen.“ Dass Verbraucher ein Produkt häufig nach dem Duft aussuchen, wundert den Experten des Henkel Fragrance Centers nicht. Ob beim Putzen, Spülen oder Waschen: „Düfte können ein wahres Feuerwerk von Gefühlen auslösen, deshalb sind sie für unsere Produkte auch so wichtig!“

Fragrance-Industrie
Fakten und Zahlen


Die globale Fragrance-Industrie beschäftigt derzeit rund 500 Parfumeure. Letztere werden im Branchenjargon auch „Nasen“ genannt. Der Umsatz der Fragrance-Industrie (Parfumöle) liegt bei rund zwei Milliarden Euro jährlich. Die drei weltweit größten Hersteller sind IFF (International Flavors and Fragrances, USA), Givaudan (Schweiz) und Firmenich (ebenfalls Schweiz).
Das Henkel Fragrance Center (HFC) in Krefeld zählt sowohl Menge als auch Umsatz betreffend zu den Top Ten der Branche. Mit 70 Mitarbeitern, darunter sieben Parfumeure, erzielte das HFC zuletzt einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro. Zirka 9.000 Tonnen reines Parfumöl werden im HFC pro Jahr hergestellt. Für Hunderte von Henkel-Markenartikel gibt es ungefähr 600 verschiedene Düfte. Jährlich kommen neue, aktuelle Kreationen hinzu.

Quelle: Henkel



Nachgefragt bei
Frank Rittler, Senior Parfumeur, Henkel Fragrance Center, Krefeld


CASH: Herr Rittler, welches Gewicht hat Ihrer Einschätzung nach der Duft als Kaufkriterium neben anderen Faktoren wie z.B. Preis oder Aufmachung?



Frank Rittler: Der Erfolg vieler Produkte hängt zu einem großen Teil von ihrem Duft ab. Das liegt daran, dass Düfte beim Verbraucher ein wahres Feuerwerk an Gefühlen auslösen können.

Und wovon hängt es ab, ob jemandem ein bestimmter Duft zusagt oder nicht?



Duftpräferenzen sind nicht angeboren, sondern werden erlernt. Wir mögen, was uns bekannt ist, Gerüche, an die wir angenehme Erinnerungen knüpfen, die Natur, die uns umgibt, und die regionale Küche. In Mittelmeerländern beispielsweise sind Düfte erfolg-reich, die Lavendel, Rosmarin, Basilikum und Thymian enthalten, Kräuter also, die in der dortigen Küche häufig verwendet werden.

Dann gibt es also nicht nur individuelle, sondern auch länderspezifische Unterschiede in der Duftwahrnehmung?



Ja, das jeweilige kulturelle und soziale Umfeld spielt stets eine Rolle. Während europäische Konsumenten den Pflegegedanken durch blumige Effekte erreichen möchten, lieben Amerikaner leichtere Noten, in den arabischen Ländern wiederum sind  stärkere, schwerere Düfte gefragt.

Kommen als Duftstoffe ausschließlich Naturprodukte zum Einsatz oder werden auch synthetisch hergestellte Rohstoffe eingesetzt?



Der Naturprodukteanteil unter den Duftstoffen liegt mittlerweile bei nur noch zehn Prozent. Vor fünf Jahren war der Anteil noch doppelt so hoch. Grund für den rückläufigen Einsatz von Naturprodukten ist die bessere Verträglichkeit synthetisch herge-stellter Duftstoffe.

Welche Düfte werden in der Kosmetikindustrie derzeit besonders nachgefragt?



Bei Kosmetikprodukten finden in erster Linie Ableitungen von Themen aus der Feinparfumerie Anwendung. Bei Duschbädern liegen im Augenblick Frucht, Joghurt und kulinarische Noten im Trend. Aber wir finden auch vermehrt assoziative Düfte wie Kaschmir, Seide, Meeresmineralien oder Gold.

Körperpflege- und Kosmetikprodukte sind aber nicht der ausschließliche Anwendungsbereich für Riechstoffe?



Nein, Parfumöle werden nicht nur in Produkten verarbeitet, bei denen man sofort an Duft denkt, wie Duschgele, Seifen bzw. Wasch- und Reinigungsmittel. Auch in Klebstoffen werden Duftstoffe eingesetzt. Zum Beispiel werden Klebestifte, die von Kindern zum Basteln verwendet werden, absichtlich mit einem wenig attraktiven Duft versehen, damit die Kids nicht auf die Idee kommen, den Klebestift in den Mund zu stecken.

Wie viele Düfte werden pro Jahr im Henkel Fragrance Center entwickelt und für welche Bereiche wird am meisten gearbeitet?



Das Hauptgeschäft machen wir mit Wasch- und Reinigungsmitteln. Gearbeitet wird aber wie bereits angedeutet für alle Be-reiche, vom Klebstoff über WC-Reiniger bis hin zum Feinparfum. Wir kreieren pro Jahr ca. 250 bis 300 neue Düfte.

Werden aktuell mehr Düfte kreiert als in der Vergangenheit?



Ja, schließlich sind Düfte heute als Marketing- und Verkaufsinstrument nicht mehr wegzudenken. Wie in allen anderen Be-
reichen des Lebens ist die Zeit aber auch im Parfumgeschäft viel schnelllebiger geworden. Nur die wenigsten Parfums, die heute auf dem Markt lanciert werden, überleben die nächsten fünf Jahre.

Herr Rittler, vielen Dank für das Interview!



Frank Rittler, Senior Parfumeur, Henkel Fragrance Center, Krefeld© Foto: Henkel
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Frank Rittler, Senior Parfumeur, Henkel Fragrance Center, Krefeld© Foto: Henkel


Rund 250 bis 300 neue Düfte pro Jahr werden im Henkel Fragrance Center in Krefeld entwickelt.© Foto: Henkel
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Rund 250 bis 300 neue Düfte pro Jahr werden im Henkel Fragrance Center in Krefeld entwickelt.© Foto: Henkel
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