CASH+/Lebensmittelindustrie: Das sagt die Ind...
 
CASH+/Lebensmittelindustrie

Das sagt die Industrie zum kolportierten Werbeverbot

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Felix Fröhner, Geschäftsführer von iglo Österreich: "Wir treten für eine faire Information an Konsumenten ein, dazu gehört auch eine objektivierbare Bewertung der Inhaltsstoffe."
Felix Fröhner, Geschäftsführer von iglo Österreich: "Wir treten für eine faire Information an Konsumenten ein, dazu gehört auch eine objektivierbare Bewertung der Inhaltsstoffe."

Nach dem Österreichischen Markenartikelverband melden sich immer mehr Vertreter der Lebensmittelindustrie bei CASH, die ihrem Unmut über einen österreichischen Vorstoß in der Debatte Luft machen.

Von Sorge über Ärger sind alle Facetten vertreten, nun kommen klare Worte. Felix Fröhner, Geschäftsführer von iglo Österreich, dazu: "Als Unternehmen ist es uns ein Anliegen, dass unsere Lebensmittel einen wertvollen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung im Sinne internationaler und österreichischer Empfehlungen liefern. Jedes neue iglo Produkt und alle bestehenden Produkte durchlaufen deshalb eine Prüfung durch Ernährungswissenschaftler und werden mittels international anerkannter Algorithmen bewertet."

Das Unternehmen tritt für eine faire Information an Konsumenten ein, dazu gehört auch eine objektivierbare Bewertung der Inhaltsstoffe. "So kritisch wir die Anwendung von Werbeverboten sehen, so begrüßenswert finden wir daher insbesondere die freiwillige Anwendung von Nutri-Score auf Lebensmitteln, ein Kennzeichnungs-System, das Konsumenten einfach verständlich über die Inhaltsstoffe von Produkten informiert", bekräftigt Fröhner.

Diskriminierende Herangehensweise

Das von iglo unter anderem konkret betroffene Fischstäbchen ist ein prominentes Beispiel, wie ein Produkt mit "einem breiten Spektrum an positiven Eigenschaften durch diese diskriminierende Herangehensweise negativ betroffen wäre". Iglo Fischstäbchen sind beispielsweise reich an Proteinen und stellen eine Quelle für Selen und Omega-3-Fettsäuren dar. 

Der aktuell in Begutachtung befindliche Entwurf des Bundeskanzleramts zur Novellierung der Mediengesetze (cash.at und horizont.at berichteten), der eine Umsetzung der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste in nationales Recht darstellt, stützt sich für die Anwendung auf national ausgearbeitete Nährwertprofile. Im derzeitigen Entwurf dieser Nährwertprofil-Modelle werden ganze Lebensmittelkategorien mit Werbeverboten belegt. Anstelle der Anwendung von Grenzwerten, oder – noch sinnvoller – dem Abwägen von erwünschten und unerwünschten Nährwerten (wie das zum Beispiel das Nutri-Score-System macht), werden hier Kategorien gänzlich ausgeschlossen, die einen wichtigen Teil zur Ernährung beitragen – im Fall von Fischstäbchen etwa helfen, Fisch in die Ernährung von Kindern einzubauen.

Weiters bereitet dem Unternehmen iglo der Entwurf Sorge, der diese Werbeverbote für alle Minderjährigen vorsieht – also alle unter 18 Jahre. Während auf digitalen Kanälen eine Bindung der Ausspielung von Sujets an ein Mindestalter – wenn auch mit Einschränkungen – technisch machbar ist, so ist das im linearen Live-TV gänzlich unmöglich. Selbst wenn man eine Media-Zielgruppe auf über 18 Jahren festlegt (was iglo übrigens tut), gibt es keinen Weg, eine Ausspielung des Sujets an Minderjährige zu verhindern. "Ja wir können davon ausgehen, dass – egal wie man die Media-Zielgruppe definiert – eine breite Masse an Minderjährigen die Werbung sehen würde", so Fröhner. Ein bloßes Meiden von Kindersendungsumfeldern wäre nach dieser Vorgabe also bei weitem nicht ausreichend. Damit würde dieser Entwurf zu einem de facto gänzlichen Werbeverbot für Fischstäbchen im linearen Live-TV führen.

Lisa-Maria Ferstl, Marketing Managerin Storck, gegenüber cash.at: "Süßwaren stehen für Freude und Genuss. Sie haben ihren selbstverständlichen Platz in einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung im Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils. Dafür muss man auch werben dürfen."
Aus dem Bereich der Süßwaren konnte CASH Lisa-Maria Ferstel erreichen, die in ihrem Statement die Relevanz für die Chance zu werben unterstreicht: "Süßwaren stehen für Freude und Genuss. Sie haben ihren selbstverständlichen Platz in einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung im Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils", so die Marketingleiterin von Storck.

Dafür müsse man auch werben dürfen. "Die Bedeutung eines einzelnen konkreten Lebensmittels bei der Ernährung lässt sich ohnehin nicht aus seinem Nährwertprofil ableiten. In gleicher Weise ist eine Unterscheidung in 'gute' und (vermeintlich) 'schlechte' Lebensmittel auf der Grundlage von Nährwertprofilen einzelner Lebensmittel ernährungswissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. Wir halten daher auch Einschränkungen der Werbemöglichkeiten, die an Nährwertprofile anknüpfen, für nicht gerechtfertigt."

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