Wein & Schaumwein: Österreich gewinnt
 
Winzer Krems
Winzer Krems-Geschäftsführer Franz Ehrenleitner: „Wir wissen, dass wir 2009 einen sehr preissensiblen Markt vorfinden.“© Winzer Krems
Winzer Krems-Geschäftsführer Franz Ehrenleitner: „Wir wissen, dass wir 2009 einen sehr preissensiblen Markt vorfinden.“© Winzer Krems

Wein, insbesondere Weißwein aus Österreich, findet im LEH weiterhin steigenden Absatz. Bei Schaumwein konnte einzig Sekt sowohl wert- als auch mengenmäßig zulegen. Aktuell im Trend liegen fruchtige, süßere Sorten.

Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen war 2008 aus der Sicht des Handels kein schlechtes Weinjahr. Während sich der Absatz in Litern mit minus 1,9 Prozent rückläufig entwickelte, wuchs der Markt wertmäßig um 3,3 Prozent. Zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Jahr zeigt sich aber nicht nur der Handel. Auch die Hersteller konnten ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Winzer Krems-Geschäftsführer Franz Ehrenleitner berichtet von einer Steigerung von fünf Prozent im Geschäftsfeld Lebensmittelhandel im Jahr 2008.
Ebenfalls sehr zufrieden über das vergangene Jahr äußert sich Friedrich Wimmer, Marketingleiter der Weinkellerei Lenz Moser. Ein Plus von neun Prozent in Österreich und von zwölf Prozent im Export ließen den Umsatz des Unternehmens um insgesamt elf Prozent auf knapp 37 Millionen Euro anwachsen.
Für Mitbewerber Domäne Wachau geriet 2008 gar zum Rekordjahr. Mit 9,89 Millionen Euro Umsatz erreichte der Wachauer Weinbaubetrieb unter der Leitung von Roman Horvath den höchsten je erreichten Umsatz des Unternehmens.


Wein statt Autos



Wein aus Österreich war denn auch der eindeutige Gewinner der Entwicklung der letzten Wochen und Monate. Seine Umsatzbedeutung stieg laut Nielsen Warengruppenspezialist Johann Bruckner von zuletzt 57,3 Prozent auf nunmehr 61,6 Prozent. Noch positiver sind die Veränderungen im 0,75-Liter-Flaschenbereich, wo der Wertanteil Österreichs bei Weißweinen von 78 auf 81 Prozent (Menge 74 % auf 76 %) und bei Rotweinen von 38 auf 43 Prozent (Menge 37 % auf 43 %) gestiegen ist. „Das belegt, dass der heimische Supermarkt-Kunde bei Qualität auf Österreich setzt“, freut sich Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreichischen Wein­marke­ting­service­ges.m.b.H (ÖWM).
Unisono positiv sind die Erwartungen der Erzeuger für das heurige Jahr. Die Umsatzentwicklung in den ersten drei Monaten dieses Jahres bezeichnet Friedrich Wimmer als erwartungskonform. Befürchtungen, dass die Wirtschaftskrise dem Weingeschäft spürbar zusetzen könnte, hegt er nicht. „Wir gehen davon aus, dass eine Flasche Wein um ein paar Euro nicht unbedingt einer Wirtschaftskrise unterliegt“, bringt der Marketingexperte seine Zuversicht auf den Punkt. Ins selbe Horn stößt der Wiener Winzer Fritz Wieninger: „Ich denke, dass sich manche jetzt vielleicht kein neues Auto kaufen, aber eine gute Flasche Wein wollen die Leute trotzdem trinken.“ 

Preissensibler Markt



Zurückhaltung signalisieren die Hersteller dieses Jahr in Sachen Preiserhöhungen. „Wir wissen, dass wir 2009 einen sehr preissensiblen Markt vorfinden. Preisanpassungen wird es unsererseits daher falls überhaupt nur in geringfügigem Ausmaß geben, um die stark gestiegenen Kosten für Glasflaschen wenigstens zum Teil auszugleichen“, meint Winzer Krems-Boss Ehrenleitner zu diesem Punkt.

Schaumweine stark



Mehr als doppelt so stark wie die Kategorie Wein entwickelte sich 2008 die Sparte Schaumwein im LEH. Der Umsatz kletterte um 7,7 Prozent auf über 76 Millionen Euro (siehe Tabelle). Frizzante legte wertmäßig um gut eineinhalb Prozentpunkte zu, erlitt mengenmäßig jedoch Einbußen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Champagner wuchs wertmäßig gegenüber der Vorjahresperiode um rund 13 Prozent, verlor mengenmäßig gegenüber dem Vorjahreszeitraum allerdings ebenfalls an Terrain. Einzig Sekt konnte 2008 sowohl mengen- als auch wertmäßig Boden gutmachen. Manfred Heinzl, Marketingleiter von Henkell & Co. Österreich, sieht die Entwicklung trotzdem mit gemischten Gefühlen. Zwar liegt das Unternehmen mit einem wertmäßigen Marktanteil von insgesamt mehr als 36 Prozent im Anbieterranking weiterhin klar in Front, gegenüber dem Vorjahr verlor Henkell jedoch einige Marktanteilsprozente an den Mitbewerb.

Fruchtige Süße im Trend



„Wir haben den Trend zu etwas fruchtigeren, süßeren Sekten mit geringerem Alkoholgehalt offenbar rechtzeitig erkannt“, freut sich Johann Cepek, Geschäftsführer der Kattus Vertriebsges.m.b.H. Nicht zuletzt dank der Einführung von Hochriegl Four Ladies konnte sein Unternehmen im Jahr 2007 erlittene Marktanteilsverluste 2008 wieder zurückerobern.
Guter Dinge ist man auch im Haus Schlumberger.  Das Umsatzplus in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2008/09 betrug 8,6 Prozent. „Innovationen wie White Secco und Golden Dry ließen die Marke Schlumberger um plus 10,8 Prozent und damit stärker als den Markt wachsen“, ist Vorstandsvorsitzender Eduard Kranebitter stolz. Für weitere Impulse am Sektmarkt soll zudem der kürzlich erfolgte Relaunch der Traditionsmarke Goldeck sorgen, die im Lebensmittelhandel in den Sorten Extra Trocken, Trocken und Halbtrocken erhältlich ist. Bis auf weiteres ausschließlich der Gastronomie vorbehalten bleibt hingegen „Die Edle von Goldeck“ als Jahrgangssekt in der Geschmacksrichtung Brut. 

Lenz Moser-Marketingleiter Friedrich Wimmer: „Auszeichnungen wie das Gold bei der Berliner Weintrophy 2009 für den Lenz Moser Selection Grüner Veltliner sind eine große Unterstützung bei Listungen.“© Lenz Moser
Lenz Moser
Lenz Moser-Marketingleiter Friedrich Wimmer: „Auszeichnungen wie das Gold bei der Berliner Weintrophy 2009 für den Lenz Moser Selection Grüner Veltliner sind eine große Unterstützung bei Listungen.“© Lenz Moser


Domäne Wachau-Geschäftsführer Roman Horvath (links im Bild) erreichte 2008 mit fast 10 Millionen Euro ein sattes Umsatzplus von 32 Prozent.© Dömäne Wachau
Dömäne Wachau
Domäne Wachau-Geschäftsführer Roman Horvath (links im Bild) erreichte 2008 mit fast 10 Millionen Euro ein sattes Umsatzplus von 32 Prozent.© Dömäne Wachau


Wollen mit dem Relaunch von Goldeck weiter Marktanteile dazugewinnen: Schlumberger-Marketingdirektor Andreas Krb, Vorstandsvors. Eduard Kranebitter und Vorstand Herbert Jagersberger (v. l.)© Schlumberger
Schlumberger
Wollen mit dem Relaunch von Goldeck weiter Marktanteile dazugewinnen: Schlumberger-Marketingdirektor Andreas Krb, Vorstandsvors. Eduard Kranebitter und Vorstand Herbert Jagersberger (v. l.)© Schlumberger
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