Mineralwasser: Quellen des Erfolgs
 
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In der Schlacht um Marktanteile im LEH liefern sich die Mineralwasserabfüller einen harten Preiskampf. Lediglich der Nachfrage-Boom im Near-Water-Bereich drehte die Umsätze der Branche zuletzt ins Plus.

Mit einer roten Null steht der Mineralwasserumsatz 2008 im österreichischen Lebensmittelhandel zu Buche (s. Nielsen-Barometer), und das, obwohl das vergangene Jahr in den Annalen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik als eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aufscheint. Nur unwesentlich besser ergangen ist es den Abfüllern im C&C- und Zustellgroßhandel. Gerade einmal 0,5 Prozent betrug das Umsatzplus in diesem Bereich (s. Tab. Marktentwicklung). Eine der Ursachen für diese magere Entwicklung ist wohl in den vergleichsweise niedrigen Durchschnittstemperaturen im Frühjahr bzw. zu Saisonstart im vergangenen Jahr zu suchen. Ausgeblieben ist zudem der vom Handel erhoffte Effekt der Fußball-EM. Doch wer weiß, vielleicht wäre das Resultat ohne das Großereignis noch dürftiger ausgefallen. Der harte Verdrängungswettbewerb macht wie es scheint jedoch vor allem den kleineren Quellen zu schaffen, denn die Großen der Branche entwickelten sich 2008 durch die Bank besser als der Gesamtmarkt.

Vöslauer: dynamisch



Marktführer Vöslauer beispielsweise steigerte den Umsatz inkl. Lizenzmarken und Export gegenüber 2007 um 3,6 Prozent auf 84,5 Mio. Euro. Die Gastronomie bescherte Vöslauer 2008 ein Umsatzplus von neun Prozent, was Vöslauer-Boss Alfred Hudler darauf zurückführt, dass sein Unternehmen für die Wirte eben nicht nur bloßer Wasser-, sondern auch Ideenlieferant ist. Initiativen wie „Das Wasser zum Essen – fragen nicht vergessen“ stärken die Gastronomie insgesamt. „Dieses Engagement schätzen unsere Partner“, ergänzt Vöslauer-Marketing-Leiterin und Verantwortliche für den Gastronomieverkauf Birgit Aichinger. Über all dem hat Vöslauer seine Hausaufgaben im Handel nicht vernachlässigt. Binnen zehn Jahren steigerte das Unternehmen seinen wertmäßigen Marktanteil im LEH von 23,2 auf aktuelle 41,2 Prozent (s. Tab. Mineralwasser im LEH).

Waldquelle: optimistisch



Einiges an Wohlwollen bringt der österreichische Lebensmittelhandel auch dem burgenländischen Mineralwasserabfüller Waldquelle entgegen, wie ein Blick auf die Marktanteilszahlen belegt. 115 Millionen Liter Mineralwasser setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr ab, um sieben Prozent mehr als 2007. „Waldquelle ist sicher der preisgünstigste Markenartikel der Mineralwasserbranche. Das wird von den Konsumenten, aber auch vom Handel honoriert“, weiß Waldquelle-Boss Herbert Czech. Keinen Illusionen gibt sich Czech in Sachen Verdrängungswettbewerb hin. „Die Preise sind zuletzt gesunken und werden, verstärkt durch mehr Promotionen,  wohl auch 2009 weiter sinken“, so die Einschätzung des Managers. Mit dem neuen Eigentümer Carslbader im Hintergrund schaut er trotzdem zuversichtlich nach vorn. Im aktuellen Geschäftsjahr will Czech beim Umsatz um fünf Prozent auf 20 Millionen Euro zulegen.

Römerquelle: im Aufwind



Auf ein erfolgreiches Jahr 2008 blickt man auch bei Römerquelle zurück. „In einem rückläufigen  Mineralwassermarkt konnten wir unsere Menge um sechs Prozent steigern“, freut sich Frank van der Heijden, Commercial Director bei Coca-Cola HBC Austria. Zur Säule des Erfolgs geriet seinen Worten zufolge die erst im Vorjahr lancierte handliche PET-Flasche. „Seit ihrer Einführung verbucht Römerquelle das höchste Wachstum seit Übernahme durch Coca-Cola Hellenic“, räumt van der Heijden ein. Mittelfristig will er die Marke wieder dorthin führen, wo sie einmal war, nämlich an die Spitze des Marktes. Weiterhin unangefochtener Marktführer mit einem wertmäßigen Marktanteil von 56,1 Prozent (Menge: 54,8 Prozent) ist Römerquelle mit seiner Emotion-Serie. Die Range der allseits beliebten Near Water-Marke wurde jüngst um die Variante Brombeere-Limette erweitert.

Starzinger: markenzentriert



Trotz Umsatzsteigerung von sieben Prozent im Vorjahr, auf wenig Gegenliebe stößt das Thema Erweiterung der Produktrange im Haus Starzinger derzeit generell. „Unser Budget soll nicht in die siebte oder achte Sorte Wellnessgetränk fließen. Wir halten das für wenig sinnvoll“, zeigt sich Prokuristin und Unternehmenssprecherin Ludmilla Starzinger entschlossen. Nach dem Ausbau der Produtionskapazitäten im Vorjahr will sie das Markenportfolio ihres Unternehmens in diesem Jahr mit einem klaren Werbefokus, der auch die Mineralwasserlabels Frankenmarkter, Long Life und Juvina einschließt, stärken und so für entsprechende Kaufimpulse im Handel sorgen. „Gerade in Krisenzeiten brauchen Konsumenten nicht nur Billigangebote, sondern Qualitätsmarken, die ihnen Sicherheit und Vertrauen bieten“, begründet Starzinger diesen Schritt.

Evian & Volvic: zweistellig



Eine Einschätzung, die Udo Unterberger von der AQWA Handels GmbH durchaus teilt. Sein Unternehmen zeichnet seit gut einem Jahr für den Vertrieb von Evian und seit Jahresanfang auch für den der Marke Volvic am österreichischen Markt verantwortlich. „Immer mehr Konsumenten setzen auf Premium-Marken“, stellt Unterberger fest. Evian selbst legte im vergangenen Jahr seinen Angaben zufolge sowohl im Handel als auch im C&C-Bereich mengenmäßig um jeweils über zehn Prozent zu, und auch Volvic wuchs dank der Erschließung neuer Absatzkanäle in den ersten Wochen des laufenden Jahres zweistellig. Befremden löst beim Country Manager jedoch das Treiben mancher seiner Mitbewerber aus. Die kaum enden wollende Flut an Sonderangeboten hat seiner Meinung nach dazu geführt, dass Mineralwasser mittlerweile fast nur noch bei Aktionen gekauft wird. „Dadurch dümpeln viele Markenprodukte inzwischen auf dem Preisniveau von Eigenmarken dahin. Für die Konsumenten ist nicht mehr ersichtlich, warum sie für ein Markenprodukt mehr zahlen sollen als für eine Eigenmarke. Das ist der falsche Weg und sehr schlecht für die gesamte Marken-artikelindustrie“, hält Unterberger mit seiner Kritik nicht hinterm Berg. Am Preiskampf um Marktanteile will er sich deshalb auch in Zukunft nicht beteiligen.

Vöslauer-Vorstand Alfred Hudler: „Wir gehen mit innovativen Konzepten in die Zukunft.“© Vöslauer
Vöslauer
Vöslauer-Vorstand Alfred Hudler: „Wir gehen mit innovativen Konzepten in die Zukunft.“© Vöslauer


Waldquelle-Geschäftsführer Herbert Czech: „Das heurige Jahr ist gut angelaufen. Wir festigen unsere Position.“© Waldquelle
Waldquelle
Waldquelle-Geschäftsführer Herbert Czech: „Das heurige Jahr ist gut angelaufen. Wir festigen unsere Position.“© Waldquelle


Frank van der Heijden, Commercial Director bei Coca-Cola HBC Austria: „Eine besonders gute Entwicklung beobachten wir im Still-Segment.“© Coca-Cola HBC Austria
Coca-Cola HBC Austria
Frank van der Heijden, Commercial Director bei Coca-Cola HBC Austria: „Eine besonders gute Entwicklung beobachten wir im Still-Segment.“© Coca-Cola HBC Austria


Prokuristin Ludmilla Starzinger: „Wir werden heuer starke Werbe-impulse setzen.“© Starzinger
Starzinger
Prokuristin Ludmilla Starzinger: „Wir werden heuer starke Werbe-impulse setzen.“© Starzinger


Danone Waters Country-Manager Udo Unterberger: „Wir sehen keinen Sinn darin, uns am Preiskampf um Marktanteile zu beteiligen.“© AQWA Handels GmbH
AQWA Handels GmbH
Danone Waters Country-Manager Udo Unterberger: „Wir sehen keinen Sinn darin, uns am Preiskampf um Marktanteile zu beteiligen.“© AQWA Handels GmbH


Nielsen Senior Client Executive Detlef Klee: „Das Mengenminus bei Mineralwasser konnte durch einen leicht höheren Durchschnittspreis beinahe wettgemacht werden, und der Umsatztrend zeigt so eine rote Null."© Nielsen
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Nielsen Senior Client Executive Detlef Klee: „Das Mengenminus bei Mineralwasser konnte durch einen leicht höheren Durchschnittspreis beinahe wettgemacht werden, und der Umsatztrend zeigt so eine rote Null."© Nielsen
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