Niemetz: Sanierungsverfahren eingeleitet
 
Niemetz

Sanierungsverfahren eingeleitet

Die traditionsreiche Wiener Süßwarenmanufaktur Niemetz, die erst 2010 ihr 120. Firmenjubiläum feierte, hat aufgrund von ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten und bisherigen gescheiterten Rettungsversuchen nun einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren gestellt.

Nachdem zahlreiche Mitarbeiter monatelang auf einen Teil ihres Gehalts verzichten mussten und der Schwedenbombenhersteller sogar seinen Produktionsstandort am Rennweg im dritten Wiener Gemeindebezirk verkaufte, um durch eine nachfolgende Anmietung des Betriebsgeländes das Ruder nocheinmal herumzureißen, musste nun doch auf eigenen Antrag ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingeleitet werden.

Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten sichern
Dieses soll nun dabei helfen, den Fortbestand des durch dkürzlich gestellten Konkursantrag seitens des Finananzamtes ins Strudeln geratenen Unternehmens zu sichern. Löhne und Gehälter sollen künftig wieder pünktlich bezahlt und der Lebensmittelhandel wieder vollständig beliefert werden.

Finanzielle Probleme nicht neu
Auch dass Niemetz mit seinen Schwedenbomben in der Nielsen-Kategorie Schokoschaumküsse hierzulande mit 80 Prozent Marktanteil Marktführer ist, ändert nichts an der hohen Schuldenlast, die der Süßwarenhersteller bereits über viele Jahre zu tragen hat. Schon 2012 wurden deshalb bereits Sanierungsschritte gesetzt. Steve Batchelor, Geschäftsführer und 20-prozentiger Niemetz-Gesellschafter erklärt: "Durch intensive Anstrengungen haben wir unseren Schuldenstand innerhalb von zwei Jahren mehr als halbiert. Wir haben unser Firmengebäude in Wien Landstraße verkauft, wo wir noch weitere drei Jahre produzieren können. Dadurch konnten wir alle Bankverbindlichkeiten begleichen und somit eine Basis für die Zukunft schaffen. Leider hat das für uns zuständige Finanzamt entgegen einer Zahlungsvereinbarung voreilig Konkursantrag gestellt und uns damit die Chance genommen, die finanziellen Schwierigkeiten ohne Insolvenzverfahren zu bewältigen."

Rückhalt ungebrochen
Dennoch ist Niemetz aufgrund des ungebrochenen Rückhalts der Konsumenten und des Lebensmittelhandels fest dazu entschlossen,  einen Grundstein für einen erfolgreichen Fortbestand zu legen. Mehrheitseigentümerin Ursula Niemetz: "Der Handel steht hinter dem Unternehmen und wir freuen uns über eine großartige Unterstützung durch unsere Konsumenten. Wir erhalten in letzter Zeit laufend Bestätigung von langjährigen Kunden, die uns die Treue halten möchten. Eine eigens gegründete Facebook-Gruppe 'Rettet die Niemetz Schwedenbomben' verdeutlicht uns, dass viele Freunde des Unternehmens weiterhin unsere Produkte kaufen möchten. Auch von Seiten der Finanzprokuratur orten wir aber nun Wohlwollen. Deshalb hoffen wir auf eine gemeinsame Lösung."

Insgesamt beschäftigt der Süßwarenhersteller letzten Angaben zufolge 100 Mitarbeiter und wies für das Jahr 2010 ein negatives Eigenkapital von über 3 Millionen Euro aus.
stats