Vier Pfoten/AK OÖ: Geflügelwohl bei Gütesiege...
 
Vier Pfoten/AK OÖ

Geflügelwohl bei Gütesiegeln

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Der Tierschutzverein Vier Pfoten hat gemeinsam mit der Arbeiterkammer Oberösterreich die heimischen Gütesiegel auf ihre Standards bei der Haltung von Masthühnern und Puten unter die Lupe genommen. Österreich schneidet besser als die EU-Standards ab, doch gibt es noch viele Mängel.

Durchschnittlich essen die Österreicher 62,6 Kilo Fleisch pro Jahr, davon 9,3 Hühnerfleisch und 2,6 Kilo Putenfleisch. Beim Griff ins Kühlregal vertrauen viele Kunden auf die Gütesiegel, welche nun von Vier Pfoten und der AK Oberösterreich analysiert und mit heimischen sowie EU-Standards verglichen wurden. Das Ergebnis: "Besser als im Ausland, aber lange nicht gut", wie es in der Aussendung heißt. "Österreich bietet vor allem Puten mehr Platz als alle anderen EU-Länder. Denn bei der Pute gibt es in der EU überhaupt keine Mindeststandards, was wirklich eine Schande ist. Aber ansonsten werden auch bei uns sowohl bei der Pute als auch beim Masthuhn ganz wesentliche Tierwohlaspekte nicht berücksichtigt", sagt Vier Pfoten Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.

Generell gelten in Österreich strengere Vorschriften als im EU-Ausland, so haben etwa Puten mit einer maximalen Stall-Auslastung von 40 kg/m2 deutlich mehr Platz als die andernorts erlaubten 60 bis 70 kg/m2. Bei Masthühnern beträgt die EU-Besatzdichte 42 kg/m2, in Österreich sind es mit 30 kg/m2 ebenfalls mehr. Wer das Geflügel "Bio" nennen möchte, muss mehr Platz bieten. Hier können alle getesteten Gütesiegel punkten. Dennoch wird kritisiert: "Das gängigste der österreichischen Labels, das AMA-Gütesiegel, geht über die gesetzlichen Vorgaben kaum hinaus." Besonders die Gestaltung der Sitzstangen, Stallungen mit überdachten Außenflächen und die Auslaufmöglichkeit ins Grüne fehlen hier. Auch die schnelle Aufzucht wird kritisiert, genauso wie das bloße Einhalten der gesetzlichen Mindeststandards bei Transporten und der Schlachtung. Positiv erwähnt wird hingegen, dass die Haltung und die Schlachtung regelmäßig kontrolliert werden.

Die laut der Untersuchung engagiertesten Gütesiegel sind jene von Bio Austria und "Tierwohl verbessert", wobei auch diese beiden ihre Schönheitsfehler haben. Besonders schwierig ist die Situation in der Gastronomie, wo die Qualitätsstandards schlechter durch Siegel kennzeichenbar sind, aber auch bei verarbeiteten Produkten wie Würsten findet Geflügel aus dem Ausland Verwendung. Die Lösung für mehr Transparenz liegt für Vier Pfoten daher in einer konsequenten Kennzeichnung von Haltungsstandards und Herkunft für alle Bereiche, LEH wie Gastronomie. "Nur so können Konsumentinnen und Konsumenten wissen, was ihnen vorgesetzt wird und gute Entscheidungen treffen. Profitieren würden außerdem selbstverständlich die Tiere, aber natürlich auch die Landwirtinnen und Landwirte, die Tiere besser halten", so Weissenböck.

Das Ergebnis des Marktchecks von Vier Pfoten und Konsumentenschutz der AK OÖ auf einem Blick.

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