VÖM: Versorgungsfrage weicht wieder der Preis...
 
VÖM

Versorgungsfrage weicht wieder der Preisdebatte

Wolfgang Ehrecke - pixabay.com

Das sehr herausfordernde Jahr 2020 haben Österreichs Molkereien mit einem Umsatzplus von 3,2 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro abgeschlossen.

"Beim ersten Lockdown im März 2020 hat der Lebensmittelhandel uns Molkereien immer wieder gebeten, die Lieferungen hochzuhalten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dem sind sowohl die Milchbauern als auch die Verarbeiter nachgekommen - wir haben also unsere Hausaufgaben gemacht. Dies scheint nun aber immer mehr in Vergessenheit zu geraten und bei Gesprächen mit dem Handel steht wieder nur mehr das Preisthema im Vordergrund", skizziert Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Geschäftsführer der Kärntnermilch, seine Sicht der aktuellen Situation. Er appelliert daher in Richtung des LEH: Mehr Fairness statt Aktionitis und Geiz ist geil.

Betrachtet man rein die nackten Zahlen, dann könnte man meinen, 2020 sei ein relativ normales Jahr für Österreichs Milchwirtschaft gewesen. Die angelieferte Milchmenge erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 3,38 Millionen Tonnen, der Umsatz der Molkereien um 3,2 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro und ihre EBT-Marge lag bei durchschnittlich 1,4 Prozent. Doch im operativen Tagesgeschäft mussten Österreichs Milchverarbeiter im Vorjahr zahlreiche Herausforderungen bewältigen. Dazu zählten erhebliche Umschichtungen der erzeugten Produkte weg aus dem Gastro-Bereich hin in Richtung Einzelhandel, umfangreiche Hygienekonzepte aufgrund der Coronaviruspandemie für die Mitarbeiter sowie die Erschließung neuer Absatzmärkte im Ausland. Dies ist auch gut gelungen und so erhöhte sich 2020 der Exportwert von Österreichs Milchwirtschaft um 4,5 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro. Da der Importwert nur um 1,2 Prozent auf 836,4 Millionen Euro zulegte, wuchs das Handelsbilanzsaldo um 10,7 Prozent auf plus 475,4 Millionen Euro.

Im Export nach Deutschland sind laut Petschar zurzeit Bio-Milchprodukte sehr gefragt. Diese Kategorie wächst auch in unserem Nachbarland immer stärker bei gleichzeitig verhältnismäßig geringer Inlandsproduktion. Während nämlich in Österreich 19,1 Prozent der angelieferten Milchmenge bio sind, liegt dieser Wert in Deutschland nur bei 3,8 Prozent. Ausgedrückt in absoluten Zahlen heißt dies: Österreich produzierte im Jahr 2020 600.720 Tonnen Bio-Milch, Deutschland mit 1,23 Millionen Tonnen nur doppelt so viel bei einer rund 9,3 Mal so großen Bevölkerungsanzahl.

stats