Weltfrauentag: Frauen braucht das Management
 
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Zum Anlass des Weltfrauentages am 8. März sieht sich Unternehmensberater Deloitte die Lage in den weltweiten Führungsetagen an: mit ernüchterndem Ergebnis.
Zum Anlass des Weltfrauentages am 8. März sieht sich Unternehmensberater Deloitte die Lage in den weltweiten Führungsetagen an: mit ernüchterndem Ergebnis.

Aktuelle, weltweite Deloitte-Studie bestätigt: Beim vorherrschenden Tempo wird erst 2045 eine Gleichheit der Geschlechter in Führungsgremien erreicht. In Österreich sind im Durchschnitt 28 Prozent der Aufsichtsratsplätze mit Frauen besetzt – damit liegt Österreich weltweit nur im Mittelfeld.

Der Deloitte Report "Women in the Boardroom" analysiert bereits zum siebten Mal Daten zum Frauenanteil in höchsten Führungsetagen. Diesmal wurden die Daten aus insgesamt 72 Ländern ausgewertet, mit ernüchterndem Ergebnis: der weltweite Frauenanteil in den Aufsichtsräten beträgt global 20 Prozent. Und: Im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2019 bedeutet das nur eine Steigerung von 3 Prozent. Wenn es auf globaler Ebene in diesem Tempo weitergeht, so die Studienautoren, wird es erst 2045 eine Geschlechtergleichheit in Führungsgremien geben. Dabei ist Europa Spitzenreiter mit Frankreich (43%), Norwegen (42%) und Italien (37%) als die Top 3-Länder. Als Grund dafür nennt die Studie etwa die hohe gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquote in den genannten Ländern.

Hierzulande sei noch Aufholbedarf zu verorten, so die Studienautoren. Denn: aktuell liegt der Frauenanteil weltweit in Österreich mit 28 Prozent im Mittelfeld. Dabei verweilen im Durchschnitt Frauen kürzer in heimischen Aufsichtsratspositionen (4,9 Jahre), als ihre männlichen Kollegen (7,8 Jahre).



Die oft positiv wahrgenommene flexible Arbeitszeitregelung, befeuert durch die Corona-Pandemie und zahlreiche Lockdowns in der Vergangenheit hätten zwar eine tatsächliche Work-Life-Balanche für fast die Hälfte der befragten Frauen geschaffen, allerdings auch einen zusätzlichen Druck auf weibliche Arbeitnehmer, so die Studie. Konkret heißt das: Für 39 Prozent der Frauen wirkt sich die Flexibilität in der Arbeitszeit negativ auf das Arbeitspensum aus. Zum Vergleich: Das meinen nur rund ein Fünftel der Männer. Frauen würden unter aktuellen flexiblen Bedingungen mehr arbeiten als ihre männlichen Kollegen, so die Studienautoren. Das erkläre sich dadurch, dass Frauen häufig in Teilzeitjobs arbeiten und dann an den Randzeiten Überstunden machen.

Eine Lösung wäre für Elisa Aichinger, Deloitte Parnterin Consulting, "das Spannungsfeld bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufzulösen." Denn: Auf individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen müsse mit geeigneten Maßnahmen reagiert werden, sagt sie. Die Studie zeige insgesamt, dass die in vielen Ländern verhängte Frauenquote zwar greife, aber dieser Umstand noch nicht ausreiche. Zum Ziel sollten sich Unternehmen künftig vermehrt Themen wie Geschlechterdiversität und Vielfalt auf ihre Agenda setzen. Darunter fallen auch Themen wie die "Nachfolgeplanung sowie diskriminierungsfreie Prozesse in der Rekrutierung und Entwicklung weiblicher Führungskräfte", so das Fazit der Studienautoren. 

Über die Studie "Women in den Boardroom"
Die Studie erstellte Unternehmensberater Deloitte in Zusammenarbeit mit der internationalen Kampagnengruppe "The 30% Club". In dieser wurden mehr als 176.000 aktive Aufsichtsräte und Vorstände aus 51 Ländern und zusätzliche Daten zu Geschlechterdiversität in Führungsebenen aus 21 Ländern analysiert.


Die Key-Findings auf einem Blick
  • Großer Nachholbedarf: Gleichstellungsmaßnahmen in heimischen Unternehmen gehen zurück
  • Verzerrte Wahrnehmung: Männer bewerten aktuellen Grad der Gleichstellung in Unternehmen positiver als Frauen
  • Breite Anwendung: Neue Flexibilitätsmodelle werden von Angestellten gut angenommen – Männer profitieren aber häufiger davon als Frauen
  • Steigender Druck: Flexible Arbeitszeiten führen bei Frauen öfter zu einem höheren Arbeitspensum als bei Männern
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