Visible: Es geht noch schlimmer
 
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Knapp 70 Prozent der heimischen KMU-Entscheider befürchten eine Verschlechterung der derzeitigen Wirtschaftslage.
Knapp 70 Prozent der heimischen KMU-Entscheider befürchten eine Verschlechterung der derzeitigen Wirtschaftslage.

Laut einer Umfrage sorgen der Ukraine-Krieg und die Coronapandemie für trübe Stimmung unter den österreichischen KMU-Entscheidern. Viele befürchten, dass sich die Situation noch weiter verschlimmern wird.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des B2B-Plattformbetreibers Visable, sind die heimischen KMU im Krisenmodus. Mehr als zwei Drittel (68 %) der teilnehmenden KMU-Entscheider befürchten sogar, dass es Krisen in der aktuellen Größenordnung in den nächsten drei Jahren häufiger (45 %) oder viel häufiger (23 %) geben wird.

Die größten wirtschaftlichen Bedrohungen aus Sicht der KMU.

31 Prozent der befragten KMU-Entscheidungsträger gaben an, dass eine Wirtschaftskrise die größte Bedrohung für die Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens ist. Als die derzeit größten Bedrohungen sehen 23 Prozent den Krieg an und 17 Prozent Gesundheitsrisiken und Pandemien. Indes fürchten sich 8 Prozent am meisten vor Cyberattacken und Hackerangriffe. Dass die österreichischen kleineren und mittleren Unternehmen durch die aktuellen Krisen unter Druck geraten, zeigt sich auch bei den Umsatzzahlen: 28 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen seit Anfang 2021 bis zu einem Viertel des Umsatzes durch die großen Krisen eingebüßt hat. Jedes fünfte Unternehmen hat sogar noch höhere Umsatzverluste erlitten. 

Zusätzliche Belastung durch Energiekostensteigerungen

Konkret machen den Unternehmen vor allem die massiv steigenden Kosten zu schaffen: 43 Prozent der Befragten sehen die steigenden Energiekosten als Bedrohung für ihren Geschäftserfolg, so die Studie. Ein Drittel (33 %) der KMUs sehen das Geschäftsergebnis durch steigende Rohstoffpreise bedroht, während 31 Prozent mit Lieferkettenproblemen konfrontiert sind. Ihre Personalabteilungen haben zeitgleich mit Ausfällen durch Krankheit und Quarantäne (37 %) sowie Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel (30 %) zu kämpfen. Auch die steigende Inflation ist für ein Viertel der Befragten ein akutes Problem.

"KMUs haben gerade richtig zu kämpfen. Auf eine Krise folgt die nächste. Vor allem die Energiekosten werden die Brotpreise des 21. Jahrhunderts. Wir müssen unsere einseitigen Abhängigkeiten bei Energie und auch Rohstoffen schnell und massiv reduzieren. Nur so ist Resilienz gegen Krisen erreichbar", sagt Peter Schmid, CEO von Visable.

Die Politik ist am Zug

Wie aus der Umfrage hervorgeht, wünscht sich knapp die Hälfte der Unternehmen Steuersenkungen und andere finanzielle Unterstützungen vom Staat. Rund ein Drittel (34 %) fordert schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel und Investitionen in Umweltschutz. Während ein weiteres Drittel (33 %) einen Bürokratieabbau und größere gesetzliche Flexibilität verlangt. 28 Prozent nennt eine stärkere europäische Zusammenarbeit als Forderung.

Parallele Befragen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich zeigen, dass die österreichischen Unternehmer mit ihren Sorgen nicht alleine sind. In allen Ländern erwarten mehr als zwei Drittel der Befragten häufigere Krisen in den nächsten drei Jahren. Am pessimistischsten sind dabei die Franzosen: Hier fürchten insgesamt 72 Prozent häufigere Krisen, knapp dahinter folgt die Schweiz mit 71 Prozent, in Deutschland liegt der Wert mit 68 Prozent gleichauf mit dem österreichischen Ergebnis. "Es ist beunruhigend, dass über zwei Drittel aller KMUs in einer solch zugespitzten Lage von einer weiteren Verschlimmerung ausgehen. Wer Angst hat, der investiert weniger in die Zukunft", so Schmid.

Die Ergebnisse stammen aus einer Online-Umfrage, die vom 5. bis 10. April vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt. In Österreich und in der Schweiz nahmen 217 Personen mit Entscheidungsbefugnis in kleinen und mittleren Unternehmen teil. In Deutschland wurden 508 und in Frankreich 530 Personen befragt.

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