Angesagt bei Karl Stiefel: Im Burger ist der ...
 
Angesagt bei Karl Stiefel

Im Burger ist der Wurm drin

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Der "Eat for Future" Burger von Zirp besteht aus zermahlenen Buffalo-Würmern und Pilzen. Eine gelungene Mischung, wie eine Verkostung ergeben hat.

Insekten zu essen kommt für viele Österreicher einer Mutprobe gleich. Kein Wunder, sind die kleinen Tiere in unserer Kultur doch mit einer gewissen "Unreinheit" verbunden. Absurd eigentlich, wenn man bedenkt, dass in der Insektenzucht von Zirp genauso Hygienestandards wie in anderen Zuchtbetrieben auch gelten und unser Speiseplan von Würmern gar nicht so weit entfernt ist. Shrimps zum Beispiel gelten als Delikatesse und rein optisch sind sie geschält doch von einem Wurm nicht weit entfernt. Spätestens wenn Fleisch verarbeitet wird, ist es vom ursprünglichen Erscheinungsbild doch so weit entfernt, dass es mit dem Ursprungs-Tier nur noch wenig zu tun hat. Zirp hat genau das mit Buffalowürmern gemacht und den "Eat for Future" Burger entwickelt. Dieser besteht zu 38 Prozent aus den zermahlenen Insekten (aus europäischer Haltung), den Rest machen größtenteils Champignons und Erbsenproteine aus. Chefkoch Redakteur Karl Stiefel hat einen köstlichen Selbstversuch gemacht und die Burger ausprobiert.

Zwei Patties, die zusammen 200 Gramm wiegen, gibt es für knapp fünf Euro bei gurkerl.at, bei Billa und bei Billa Plus. Geliefert werden sie tiefgefroren. Nachdem man sie zehn Minuten antauen lässt, werden sie zwischen 8 und 10 Minuten mit etwas Öl in der Pfanne gebraten. Dabei werden sie außen leicht knusprig, innen bleiben sie weich und saftig. Angerichtet wurden die Selbstversuch-Burger mit einer Scheibe Schmelzkäse darauf, einem Salatblatt zum Auffangen des Saftes und im Hause Stiefel gibt es dünn geschnittene Zwiebel für die Schärfe, Gurkenscheiben für die Säure und Ketchup für die Süße darauf.

 

Die Burger - die übrigens nicht vegetarisch sind, schließlich handelt es sich bei den Insekten um Lebewesen - wurden dann dem kritischen Gaumen zum Geschmackstest vorgesetzt. Und hier muss der Juror sagen, dass Zirp die Patties wirklich gelungen sind. Die Champignons schmeckt man definitiv heraus, die Erbsen hingegen nicht und die Buffalo-Würmer reihen sich hervorragend ein. Irgendwo zwischen fleischigen, erdigen und nussigen Geschmacksnoten lässt sich das Ganze verorten. Die Würze ist kräftig, stiehlt aber nicht die Show: Eine angenehme Schärfe ist da, beim Salz hat man sich eher zurückgehalten. Die Konsistenz erinnert an fertige Burger-Patties oder Fleischersatz-Varianten davon. Es fehlt zwar das Körnige, dass man von Faschiertem gewohnt ist, aber der Biss ist auf jeden Fall da.

Fazit: Der Wurm-Burger spielt in der gleichen Liga wie die besseren Convenience-Produkte der Kategorie. Mit Mutproben hat das nichts mehr zu tun, viel mehr mit einem Umdenken bei unseren Ernährungsgewohnheiten. Insekten wie eben die Buffalowürmer sind eine nachhaltige Alternative zum Schweine- oder Rindfleisch, die wir langfristig auf jeden Fall in unseren Speiseplan integrieren sollten. Besonders, wenn die Tiere in verarbeiteten Produkten vorkommen, ist jeglicher Ekel hinfällig. Die Zutatenliste ist schön kurz gehalten und sie kommt ohne Inhaltsstoffe mit Zahlen darin aus. Das wichtigste ist aber, dass der Burger wirklich gut schmeckt. Bravo, Zirp - das ist euch gelungen.

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